Der Pedibus will die Deutschschweiz erobern

  • Mit dem Bus und doch zu Fuss zur Schule: Der Pedibus ist in der Deutschschweiz noch wenig verbreitet.
    Mit dem Bus und doch zu Fuss zur Schule: Der Pedibus ist in der Deutschschweiz noch wenig verbreitet. (KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)
12.08.2017 | 13:15

SCHULWEG ⋅ Pedibus-Linien sollen den Schulweg für jüngere Kinder sicherer machen: Mit ihren Schulfreunden und einer erwachsenen Begleitperson gehen die Kinder zu Fuss zur Schule. Pedibusse sind der Romandie und im Tessin beliebt, in der Deutschschweiz dagegen wenig verbreitet.

Ein roter Schulbus mit freundlichem Gesicht und Turnschuhen an Stelle der Räder wartet an der Strassenecke auf die Kinder. Die Zeichnung des lustigen Schulbusses auf einer Tafel markiert die Haltestelle einer sogenannten Pedibus-Linie.

Hier treffen sich morgens vor der Schule mehrere Kinder und warten, bis sie von ihren Schulkollegen und einer erwachsenen Begleitperson abgeholt werden. Dann geht die Gruppe gemeinsam zur Schule oder in den Kindergarten. Nach Schulschluss gehen die Kinder wieder mit einer Begleitperson nach Hause.

Die Idee dieser koordinierten Schulweg-Begleitung hatte ursprünglich ein Australier in den 1990er-Jahren entwickelt, wie auf der Homepage des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) zu erfahren ist. 1998 übernahmen einzelne Eltern in Lausanne das Konzept, im Jahr 2000 dann lancierte der VCS die Pedibus-Aktion für Kinder von vier bis acht Jahren in der Westschweiz.

Rund 200 Linien in Romandie

Die Idee stiess dort auf Begeisterung: Auf der Pedibus-Homepage sind derzeit rund 200 Linien in der Romandie verzeichnet. 45 Linien sind es im Tessin - aber nur 37 in der Deutschschweiz. Von den Deutschschweizer Linien befindet sich die grosse Mehrheit im Kanton Freiburg, wo Pedibusse allgemein sehr beliebt sind: 75 Linien gibt es laut der Freiburger Koordinationsstelle im ganzen Kanton.

Im Rest der Deutschschweiz sind auf der Homepage nur einzelne Linien verzeichnet: So etwa in Eschlikon, Zürich, Neudorf, Chur, Bellach oder Zwieselberg. Warum ist der Pedibus so erfolgreich in der lateinischen Schweiz, aber kaum bekannt östlich der Saane und nördlich des Gotthards?

Die Aktion stamme ursprünglich aus der Westschweiz und sei deshalb dort bekannter, mutmasst Marc Bächler, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Auch Kathrin Marthaler, Kampagnenverantwortliche beim VCS, sagt, der Verein unterstütze den Pedibus in der Romandie und im Tessin seit Jahren.

In der Deutschschweiz werde das Projekt hingegen erst seit drei Jahren bekannt gemacht. Marthaler gibt zu bedenken, dass viele Linien aus Eigeninitiative der Eltern entstünden und nicht explizit auf der Homepage aufgeführt würden. Auch Bächler sagt, in der Deutschschweiz gebe es durchaus ähnlich organisierte Schulrouten - diese liefen aber nicht unter dem Namen Pedibus.

Schwierigkeit liegt beim Start

Marthaler glaubt, dass sich der Pedibus in der Deutschschweiz in den nächsten Jahren weiter verbreiten wird. Wegen der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (HarmoS-Konkordat) und vieler neuer Standorte von Kindergärten und Schulen seien viele Schulwege in der Deutschschweiz länger geworden. "Dies kann dazu führen, dass die Kinder vermehrt Strassen mit Tempo 50 und erhöhtem Verkehrsaufkommen überqueren müssen."

Die Herausforderung liege darin, mit einem Pedibus zu beginnen. "Da müssen sich alle zusammenraufen. Es braucht einen gewissen Initialaufwand." Wenn das aber geschafft sei, laufe der Pedibus sehr einfach, so Marthaler. Die Aktion werde meist von allen Beteiligten gut aufgenommen.

Jenen, die die Initiative ergreifen, wolle es der VCS einfach machen: Auf der Pedibus-Homepage wird Material zur Verfügung gestellt, zudem können Begleitpersonen bei der bfu eine kostenlose Unfall- und Haftpflichtversicherung abschliessen. Der VCS informiert direkt an Schulen über das Projekt. Immer im September wird zudem der "Internationale Tag zu Fuss zur Schule" durchgeführt.

Einfache Lösung

"Der Pedibus ist eine einfache Lösung, den Schulweg jüngerer Kinder sicher zu machen", glaubt Marthaler. Die Kinder könnten sich mit Hilfe des Pedibus rasch sicher und eigenständig bewegen, so dass sie später den Schulweg alleine zurücklegen könnten.

Auch für die Eltern biete der Pedibus Vorteile, wirbt der VCS: Sie könnten die Route selbst festlegen und sich bei der Begleitung der Kinder abwechseln. Zudem bewegten sich die Kinder, seien mit Freunden zusammen - und durch den Verzicht auf einen richtigen Schulbus oder ein "Eltern-Taxi" per Auto werde die Umwelt geschont. (sda)

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