Chef von Siemens Schweiz setzt auf 50+

  • Der CEO von Siemens Schweiz, Siegfried Gerlach, kontrolliert persönlich, ob bei Stellenbesetzungen auch ältere Bewerber zum Zuge kommen. (Archiv)
    Der CEO von Siemens Schweiz, Siegfried Gerlach, kontrolliert persönlich, ob bei Stellenbesetzungen auch ältere Bewerber zum Zuge kommen. (Archiv) (KEYSTONE/URS FLUEELER)
16.07.2017 | 10:36

ARBEITSMARKT ⋅ Der Chef von Siemens Schweiz zeigt sich irritiert über die momentane Diskussion zur Arbeitsmarktintegration der über 50-Jährigen. "Es ist skurril, dass wir überhaupt darüber reden müssen", sagt Siegfried Gerlach im Interview mit der "SonntagsZeitung".

Offenbar gebe es in der Gesellschaft Vorurteile gegen über 50-Jährige. "Wir können diese absolut nicht bestätigen", sagt er. Ältere Mitarbeitende würden genauso gute Leistungen erbringen wie Jüngere. Er erkenne kein generelles Nachlassen ab 50. "Und schauen Sie mich an: Ich bin 63 und meinem Job als CEO durchaus noch gewachsen", sagt er.

Altersdiskriminierung toleriere er nicht, sagt er weiter. "Deshalb lasse ich mir regelmässig die Bewerbungsstatistik geben und kontrolliere, ob ältere Bewerber auch wirklich genügend berücksichtigt werden bei Stellenbesetzungen. Der Druck muss von ganz oben kommen", sagt er.

Falls die Leistungen aber nicht stimmten, müsste ein Unternehmen den Mut haben, beim Lohn zu kürzen. Bei Siemens werde darauf geachtet, dass die leistungsorientierte Entlöhnung konsequent gelebt werde, unabhängig vom Alter. Lange habe die Maxime gegolten, dass die Löhne und Alter immer parallel verlaufen müssen. "Das ist überholt", sagt Gerlach.

Für ältere Arbeitnehmende brauche es weiter individuelle Lösungen, etwa Teilzeitmodelle und Rückstufungen. "Falls jemand nicht mehr der Chef sein will, soll er die Funktion ohne Gesichtsverlust wechseln können", sagt Gerlach.

In der vergangenen Woche hatte die Grossbank UBS Vorschläge veröffentlicht, wie die sogenannte "Generation Silber" besser in den Arbeitsmarkt integriert werden könnte. Die Integration will den demografisch bedingten Fachkräftemangel dämpfen. Im Spannungsfeld dazu stehe aber, dass die Beschäftigungssituation älterer Arbeitskräfte als gemeinhin problematisch gelte, hiess es. (sda)

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