MILITÄR

An die Nähmaschine, marsch!

Zehntausende Soldaten erhalten wegen der Armeereform neue Verbandsabzeichen. Um diese anzunähen, werden sogar pensionierte Schneiderinnen aufgeboten.
12.01.2018 | 05:18
Maja Briner

Maja Briner

Wegen der Armeereform laufen die Nähmaschinen in den Logistikzentren dieses Jahr heiss. ­Manche Zentren bieten sogar pensionierte Schneiderinnen und Schneider auf, wie die Armeezeitschrift «intra» berichtet. Der Grund für diesen Sondereinsatz: Viele Soldaten brauchen neue Verbandsabzeichen. An diesen Badges, welche die Soldaten an ihrem Oberarm tragen, lässt sich erkennen, wo jemand eingeteilt ist. Bisher stand dort beispielsweise «Inf Bat 70» – die Abkürzung für das Infanteriebataillon 70. Doch dieses gibt es nicht mehr: Es ist eines von mehreren, das im Zuge der Armeereform per Ende vergangenen Jahres aufgelöst wurde.

Rund 48000 Angehörige der Armee brauchen wegen der Reform neue Abzeichen, wie ­Armee-Sprecherin Delphine Alle­mand sagt. Sie alle bekommen vier Stück für die verschiedenen Tenues und das Béret. ­Bestellt wurden gemäss «Blick» über eine Million Verbandsabzeichen. Dies decke den Bedarf für die kommenden zwei Jahre ab, erklärt Allemand. Dank Klettverschluss können die Badges beim Tarnanzug einfach ausgetauscht werden. Aufwendiger ist die ­Sache beim Ausgangsanzug: Die Verbandsabzeichen müssen von Hand angenäht werden.

«Es ist wie eine Marke»

Der Aufwand möge von aussen gesehen vielleicht übertrieben ­erscheinen, doch er sei absolut gerechtfertigt, sagt der Präsident der Schweizerischen Offiziers­gesellschaft, Stefan Holenstein. «Man darf den ideellen und emotionalen Wert der Abzeichen nicht unterschätzen», sagt er. Der militärische Verband sei nicht nur eine technische Zugehörigkeit: «Man verbringt viel Zeit miteinander, man teilt Erlebnisse – das schweisst zusammen», sagt er. Das Verbandsabzeichen sei dabei ein Identifikationsmerkmal. «Es ist wie eine Marke», sagt Holenstein. Wie stark sich die Soldaten damit identifizieren, zeigt sich auf Facebook: Viele Einheiten wie zum Beispiel das Gebirgsinfanteriebataillon 48 haben dort eine eigene Gruppe – mit Verbandsabzeichen als Profilbild.

Grosse Nachfrage im Online-Shop

Die Badges sind auch bei Sammlern begehrt. Der Verein Schweizer Armeemuseum verkauft im Auftrag des Verteidigungsdepartements ausgemusterte Abzeichen. Die Nachfrage ist gross: Der neue Online-Shop werde «mit Bestellungen überflutet», schreiben die Betreiber aktuell auf der Webseite. «Viele sammeln die Abzeichen», erklärt Henri Habegger, Vizepräsident des Vereins. Für andere hätten diese einen Erinnerungswert: Sie kaufen eines, das sie früher trugen, aber danach weggegeben oder verloren haben.

Der Verein verkauft die Abzeichen für wenige Franken pro Stück. Auf Online-Plattformen wie Ricardo werden diese teilweise aber für über 100 Franken ­angeboten. «Der Beschaffungswert ist tief, der Sammlerwert bei sehr seltenen Abzeichen aber hoch», sagt Habegger.

Wie viel die neuen Verbandsabzeichen und die Umrüstung kosten, gibt die Armee nicht im Detail bekannt. Hergestellt werden sie von der deutschen Firma Albrecht Bender GmbH und Co. Mit ihr hat Armasuisse Ende 2013 einen fünfjährigen Rahmenvertrag abgeschlossen. Der Preis ­dafür bewegt sich irgendwo zwischen 1,8 und 3,4 Millionen Franken, wie aus der öffentlichen Ausschreibung hervorgeht. Die ­Näharbeiten werden laut Alle­mand nach Möglichkeit mit ­bestehenden Ressourcen durchgeführt, generieren also keine Zusatzkosten. Bis Ende 2019 sollten vier Fünftel der Uniformen umgerüstet sein.

Die ausgemusterten Abzeichen dürfen die Soldaten behalten. Einige Stück werden als historisches Armeematerial für die Nachwelt eingelagert, die übrigen verkauft. Bis sie im Shop des Vereins Schweizer Armeemuseum erhältlich sind, dauert es ­allerdings noch: Erst wenn alle Exemplare eines bestimmten Abzeichens nicht mehr in Gebrauch sind, dürfen sie verkauft werden.

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