• 1966 wurde im Solothurner Strandbad noch mit einem Schild auf die Gefahren in der verschmutzten Aare hingewiesen - heute ist Baden in Schweizern Gewässern eine Selbstverständlichkeit.
    1966 wurde im Solothurner Strandbad noch mit einem Schild auf die Gefahren in der verschmutzten Aare hingewiesen - heute ist Baden in Schweizern Gewässern eine Selbstverständlichkeit. (Keystone/STR)
20.03.2017 | 07:30

Wasser verschmutzt - das war einmal


UMWELT ⋅ Baden in Schweizer Gewässern ist heute eine Selbstverständlichkeit - das war jedoch nicht immer so. Die Schweiz hat in den vergangenen 60 Jahren intensiv in ein funktionierendes Abwassersystem investiert. 2017 wird der Bund die letzten 10 Millionen auszahlen.

Noch in den 1950er Jahren war die Wasserqualität in Schweizer Gewässern teilweise so schlecht, dass das Baden aus gesundheitlichen Gründen verboten war. "Vorsicht! Wasser verschmutzt. Nicht schlucken. Nach dem Baden duschen.", warnte beispielsweise das Solothurner Strandbad vor den Gefahren der verschmutzten Aare.

Schäumende und stinkende Bäche, Fischsterben, Abfälle in Fliessgewässern und Seen waren an der Tagesordnung, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einer Mitteilung anlässlich des internationalen Tag des Wassers am 22. März schreibt.

Die Schweizer Bevölkerung forderte in der 1967 lancierten eidgenössischen Volksinitiative "Schutz der Gewässer gegen Verunreinigung" einen Kurswechsel. Die Politik nahm das Anliegen ernst und investierte seither Milliarden in den Bau von Kanalisationen und Abwasserreinigungsanlagen (ARA).

Kanalisation entspricht dreimal Erdumfang

Mittlerweile umfasst das Kanalisationsnetz der Schweiz eine Länge von über 130'000 Kilometer, was dreimal dem Erdumfang entspricht. Dem Netz sind zudem 800 Kläranlagen angeschlossenen.

Bis 1965 waren lediglich 14 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz an eine zentrale Kläranlage angeschlossen. Im Jahr 2005 waren es schon 97 Prozent. Diesen Erfolg hat sich die Schweiz einiges Kosten lassen. Für den Ausbau der gesamten Infrastruktur wurden etwa 50 Milliarden Franken ausgegeben. Der Bund hat das System mit 5,3 Milliarden an die Gemeinden unterstützt.

Mit den letzten 10 Millionen Franken werden die Gemeinden bei ihrer Entwässerungsplanung unterstützt, wie Damian Dominguez vom BAFU auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda ausführte. Bei der Entwässerungsplanung geht es unter anderem darum, den Zustand der öffentlichen Kanalisation zu untersuchen und Instandstellungen zu planen. Die Arbeiten dauern schon ein paar Jahre an, die 10 Millionen sind die letzte Tranche der Unterstützung.

Instandhaltung privat häufig vernachlässigt

In der Schweiz hat sich das Prinzip der kostendeckenden und verursachergerechten Abwassergebühren etabliert. Die Gemeinden und Abwasserverbände erheben dafür monatlich Gebühren von rund 20 bis 70 Franken pro vierköpfigem Schweizer Haushalt. Laut Dominguez funktioniert dieses System sehr gut, auch wenn einige Gemeinden Nachholbedarf hätten.

Ein anderes Thema sind die privaten Kanalisationen. Deren Instandhaltung liegt in der Verantwortung der Grundstückeigentümer, werde aber häufig vernachlässigt, wie Dominguez sagte. Kantone und Gemeinden seien sich des Problems bewusst.

Mikroverunreinigungen schlecht für Umwelt

Eine neue Herausforderung sind gemäss BAFU auch die sogenannten Mikroverunreinigungen durch Medikamente, Pflanzenschutzmittel, Chemikalien oder Hormone. Diese können durch die ARAs nicht entfernt werden und gelangen in die Gewässer.

Die Belastung sei so hoch, dass sie für Lebewesen wie beispielsweise die Fische im Wasser problematisch sei und auch einen negativen Einfluss auf die Umwelt haben dürfte, so das BAFU. Deshalb sollen nun die wichtigsten Kläranlagen der Schweiz ausgebaut werden, damit sie Mikroverunreinigungen entfernen können. Die Auswahl der Anlagen, die ausgebaut werden, liegt bei den Kantonen.

In der ARA Neugut in Dübendorf (ZH) und ARA Bachwis in Herisau (AR) wird das Abwasser schon heute mit Pulver-Aktivkohle gefiltert und die Mikroverunreinigungen damit um 80 Prozent reduziert. Die Nachrüstung der Kläranlagen wird bis Ende 2040 aus Fondsgeldern finanziert. (sda)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welcher der folgenden Begriffe ist kein Tier: Maus, Haus, Laus?
 

Meistgelesen

Der Mann, der die Baumfällaktion in Steinach in Auftrag gegeben hat, erntet im Internet von vielen Kommentatoren Lob.
Rorschach: 27.03.2017, 15:54

«Bravo, Herr Eberle»

Die gefällten Bäume im Steinacher Quartier Böllentretter bewegen im Netz: Viele Kommentatoren ...
Die Mörschwiler Bürgerinnen und Bürger nahmen die Steuerfusssenkung einstimmig an.
Region St.Gallen: 27.03.2017, 21:24

Mörschwil bleibt das St.Galler Steuerparadies

Wer wenig Steuern zahlen will, der wird weiterhin in Mörschwil glücklich.
Ex-Schaffhausen-Trainer Maurizio Jacobacci soll den Spielern des FC Wil den Weg zum Ligaerhalt zeigen
FC Wil: 28.03.2017, 00:20

Trainerwechsel beim FC Wil

Maurizio Jacobacci soll den FC Wil zum Ligaerhalt in der Challenge League coachen.
Die Stadtpolizei kontrollierte Autolenker während fünf Tagen auf dem ganzen Stadtgebiet.
Unfälle & Verbrechen: 27.03.2017, 14:07

Nicht angegurtet, Handy am Ohr oder kein Licht

In der Woche vom 20. bis zum 25. März führte die Stadtpolizei St.Gallen eine Schwerpunktwoche im ...
Unfälle & Verbrechen: 27.03.2017, 17:02

Zwei Männer rauben Frau aus

Zwei unbekannte Täter haben am frühen Montagmorgen in Tägerwilen eine Frau ausgeraubt.
Bundesrätin Simonetta Sommaruga (2. von links) in Brüssel im Gespräch mit EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos (ganz links). Rechts neben Sommaruga: die portugiesische Innenministerin Constança Urbano de Sousa und der neue französische Innenminister Matthias Fekl.
Schweiz: 27.03.2017, 20:14

Sommaruga: Erfolg bei Flüchtlings-Rückkehr

Die EU-Innenminister haben in Brüssel über die EU-interne Umverteilung von Flüchtlingen sowie ...
Startklar: Ein Pilot steigt in ein F/A-18-Flugzeug.
Schweiz: 27.03.2017, 21:51

Armeespitze zeigt Bereitschaft – und sich selbst

In der Schweizer Luftwaffe soll künftig im 24-Stunden-Betrieb operieren können.
Das Plakat des Anstosses: Haben die Verantwortlichen dieses Anti-Erdogan-Plakats eine Straftat begangen?
Schweiz: 27.03.2017, 16:26

"... dann macht die Polizei ihren Job schlecht"

Gross ist der Wirbel um ein Plakat, das in Bern zu Gewalt gegen den türkischen Staatschef Recep ...
In der Schweiz ereignen sich immer mehr Unfälle mit E-Bikes.
Ostschweiz: 27.03.2017, 12:14

E-Bikes überfordern Senioren

Rasch vorankommen und Steigungen locker bewältigen: E-Bikes bieten viele Vorteile.
Unbemerkt gestohlen und aus dem Berliner Bode-Museum geschafft: Die "Big Maple Leaf", zweitgrösste Goldmünze der Welt und etwa 4 Millionen Franken wert. (in einer Aufnahme vom Dezember 2010)
Kultur: 27.03.2017, 18:41

Riesengoldmünze aus Berliner Museum geklaut

Spektakulärer Einbruch auf der Berliner Museumsinsel: Eine etwa 100 Kilogramm schwere und einen ...
Zur klassischen Ansicht wechseln