«Keine Revision für alle Ewigkeit»

  • Gerhard Pfister, CVP-Präsident.
    Gerhard Pfister, CVP-Präsident. (ANTHONY ANEX (KEYSTONE))
17.03.2017 | 05:38

Nachgefragt

Die CVP hat zusammen mit der SP den AHV-Zuschlag durchs Parlament gebracht. Nun steht CVP-Präsident Gerhard Pfister voraussichtlich ein schwieriger Abstimmungskampf bevor.

Interview: Tobias Gafafer, Maja Briner

Die CVP hat zusammen mit der SP den AHV-Zuschlag durchs Parlament gebracht. Nun steht CVP-Präsident Gerhard Pfister voraussichtlich ein schwieriger Abstimmungskampf bevor.

Haben Sie vergangene Nacht gut geschlafen?

Selbstverständlich, denn ich bin davon ausgegangen, dass in der CVP die Geschlossenheit da ist. Und den Rest kann man ohnehin nicht beeinflussen.

Die CVP dürfte den Abstimmungskampf allein mit der Linken führen müssen, die nicht geeint ist. Wie wollen Sie das schaffen?

Es ist wichtig, dass das Volk über diese Frage überhaupt entscheiden kann. Alles Weitere werden wir noch sehen. Ich erinnere an die Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform III: Diese war wesentlich besser abgestützt im Parlament und wurde trotzdem vom Stimmvolk deutlich abgelehnt.

Trotzdem: Die Linke ist nicht geeint.

Das müssen Sie die Linke fragen. Wir sind es.

Eigentlich sollte mit dieser Reform die AHV saniert werden. Nun sollen all jene, die heute 45-jährig oder älter sind, nach der Pension sogar mehr Geld erhalten. Wie wollen Sie das der Bevölkerung erklären?

Indem wir der Bevölkerung aufzeigen, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist – nicht mehr und nicht weniger. Ich habe nie gesagt, dass mit dieser Reform alle Probleme gelöst werden sollen. Es ist nicht eine Revision für alle Ewigkeit, sondern es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es ist eine Vorlage, die ausgewogen ist und gerade deshalb Chancen hat, vom Volk angenommen zu werden.

Die Reform setzt stark auf Mehrausgaben und -einnahmen. Gespart wird praktisch nichts – ausser in der zweiten Säule.

Gerade in der zweiten Säule wird gespart. Reine Abbauvorlagen kriegen Sie jedoch beim Volk nicht durch. Ich erinnere daran: Die letzten AHV-Revisionen sind allesamt gescheitert.

Der Ausbau bei der AHV kostet allein schon mehr, als die Erhöhung des Frauenrentenalters einspart.

Das Frauenalter 65 ist ein wichtiger Schritt. Aber auch den können Sie politisch nicht durchsetzen, wenn Sie ihn einfach ohne Kompensation dem Stimmvolk vorlegen.

Ab dem Jahr 2029 drohen bei der AHV Milliardendefizite – auch weil die Mehrwertsteuer weniger stark erhöht wird, als der Ständerat wollte. Braucht es bald ein höheres Rentenalter?

Dass die Mehrwertsteuer weniger stark erhöht wird, war ein ausdrücklicher Wunsch von jenen Parteien, welche die Vorlage heute abgelehnt haben.

Aber Sie haben den Vorschlag in der Einigungskonferenz eingebracht.

Ja, damit allenfalls ein Kompromiss möglich ist. Wenn man die Vorlage jetzt deswegen kritisiert, dann ist das einigermassen unredlich.

Nochmals: Braucht es einen weiteren Schritt, zum Beispiel ein höheres Rentenalter für alle?

Wir müssen jetzt erst einmal den Schritt mit der vorliegenden Reform machen. Wenn wir diesen nicht machen, sind alle weiteren Schritte obsolet.

Den Preis zahlen vor allem die Jungen, die im Parlament schlecht vertreten sind. Erfüllt diese Reform überhaupt den Anspruch der Generationengerechtigkeit?

Selbstverständlich erfüllt sie diesen Anspruch. Die Jungen leisten einen Beitrag, das ist unbestritten. Aber auch die Älteren leisten ihren Beitrag. Insofern ist diese Vorlage durchaus ausgewogen.

Auch viele heutige Rentner dürften Sie im Abstimmungskampf gegen sich haben, da sie keinen AHV-Zuschlag erhalten. Wie wollen Sie diese wichtige Gruppe von der Notwendigkeit der beschlossenen Reform überzeugen?

Indem ich davon ausgehe, dass diese Gruppe solidarischer ist, als Sie ihr unterstellen.

Interview: Tobias Gafafer, Maja Briner

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was ist das Gegenteil von dick??
 

Meistgelesen

Drehte nach dem Spiel gegen Lugano durch: Sion-Präsident Christian Constantin.
Sport: 22.09.2017, 11:31

Jetzt spricht Constantin: "Ich fand es angemessen, Fringer mal zu massregeln"

Christian Constantin hat den ehemaligen Nati-Trainer Rolf Fringer ins Gesicht geschlagen.
Keine Chilbi-Post für Oberuzwils Bevölkerung: Ihre Exemplare landeten im Abfall.
Region Wil: 22.09.2017, 05:18

Die Post schreddert 2500 Werbebroschüren für die Bichwiler Chilbi

2500 Haushalte in der Gemeinde Oberuzwil hätten mit einer über 20-seitigen Werbebroschüre für ...
So sah der Bahnhofsplatz vor rund einem Monat aus.
St.Gallen: 22.09.2017, 12:10

Busse fahren wieder auf dem St.Galler Bahnhofplatz

Nun gilt es, sich umzuorientieren: Ab dem 2. Oktober 2017 ist der Öffentliche Verkehr zurück auf ...
Am Donnerstag wurde in der Kathedrale Abschied vom St.Galler Stadtrat Nino Cozzio genommen.
St.Gallen: 21.09.2017, 16:32

St.Gallen nimmt Abschied von seinem Stadtrat Nino Cozzio

Eine selten grosse Trauergemeinde hat in der Kathedrale Abschied genommen von Nino Cozzio.
Das Kultur- und Eventzentrum in der Kirche St.Leonhard lässt auf sich warten.
St.Gallen: 21.09.2017, 21:57

St.Leonhardskirche ist ein unrühmliches Beispiel

Vor bald zehn Jahren brannte in St.Gallen die Kirche St. Leonhard.
In Rüthi ist es zu einem tödlichen Unfall gekommen.
Unfälle & Verbrechen: 22.09.2017, 10:38

E-Bike-Fahrerin in Rüthi stirbt nach Unfall mit Lastwagen

Am Freitagmorgen hat sich in Rüthi ein Unfall zwischen einem E-Bike und einem Lastwagen ereignet.
Reto Scherrer ist zum dritten Mal Vater geworden.
Kanton Thurgau: 21.09.2017, 11:04

Zwei Babys an einem Tag

Radio- und Fernsehmoderator Reto Scherrer 42 und seine Ehefrau Melanie 34 wurden zum dritten Mal ...
Die wohl berühmteste Wutrede im Fussballgeschäft: Giovanni Trappatoni 1998.
Fussball: 22.09.2017, 10:13

"Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg" und andere Ausraster in der Fussballgeschichte

"Was erlauben Strunz?", "GC isch Rekordmeister" oder "Ich haue dir in die Fresse, du Dreckschwein".
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat US-Präsident Donald Trump nach dessen jüngsten Drohungen gegen sein Land gewarnt, er werde dafür "teuer bezahlen". (Archivbild)
International: 22.09.2017, 06:23

Kim Jong Un zu Trump: "Geisteskranker, dementer Greis"

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un will US-Präsident Donald Trump für dessen Drohungen ...
Keith Richards von den Rolling Stones an der Gitarre im Zürcher Letzigrund.
Kultur: 21.09.2017, 07:43

Rolling Stones: Die Magie ist verflogen

Am Mittwochabend sind die Rolling Stones im Letzigrund-Stadion in Zürich aufgetreten.
Zur klassischen Ansicht wechseln