Der Joker im Abstimmungspoker

  • Denis de la Reussille (links).
    Denis de la Reussille (links). (ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))
17.03.2017 | 05:38

RENTENREFORM ⋅ Nationalrat Denis de la wie viel ...? Dass Nationalrat Denis de la Reussille (PdA/NE) in der deutschen Schweiz vor dem gestrigen Tag ein Begriff gewesen wäre, kann niemand ernsthaft behaupten.

Nationalrat Denis de la wie viel ...? Dass Nationalrat Denis de la Reussille (PdA/NE) in der deutschen Schweiz vor dem gestrigen Tag ein Begriff gewesen wäre, kann niemand ernsthaft behaupten.

Nun aber ist das anders, denn der Stadtpräsident von Le Locle, der seit Ende 2015 im Nationalrat sitzt, hat die Reform der Altersvorsorge vor dem Absturz bewahrt. Dank ihm erreichte sie die erforderlichen 101 Stimmen in der grossen Kammer des Parlaments.

Nicht ohne reichliches Zureden

Das ging nicht ganz ohne reichlich «gutes Zureden», wie von Insidern zu erfahren ist. Denn ursprünglich wollte sich Kommunist de la Reussille, der der Fraktion der Grünen angehört, bei der Abstimmung über die Reform der Stimme enthalten; sie ging ihm zu wenig weit. Nach materiellem Abwägen rang er sich, der einzige Vertreter der Partei der Arbeit (PdA), im Rat dann aber doch zu einem Ja durch.

Wer also ist Denis de la Reussille, der jetzt wegen seines Ja zur Reform der Altersvorsorge plötzlich im Scheinwerferlicht steht? Der 56-jährige Politiker ist in La Chaux-de-Fonds aufgewachsen und seinerzeit aus sportlichen Gründen nach Le Locle gekommen: Der Fussballer wechselte 1985 vom FC La Chaux-de-Fonds zu Le Locle, das damals vom späteren FC-Zürich-Trainer Bernard Challandes gecoacht wurde und für eine Saison in der damaligen Nationalliga B spielte. Das war dann auch der sportliche Höhepunkt des heutigen Nationalrats.

De la Reussille war indes schon damals kein apolitischer Mensch: Das Aufbegehren gegen die Apartheid in Südafrika und die Antiatombewegung seien Schlüsselmomente auf dem Weg zu seinem politischen Bewusstsein gewesen, sagt er. Zur PdA kam er, weil er sich laut eigenem Bekunden auf dem politischen Feld gegen soziale Ungleichheiten engagieren will.

Der berufliche Werdegang des einzigen Vertreters der Kommunisten in Bern ist unspektakulär: Nach der Sekundarschule Lehre als kaufmännischer Angestellter bei einer Versicherung, später Buchhalter in einem Eisenwarengeschäft. 1996 dann die Wahl in den Gemeinderat, die Exekutive von Le Locle, ein Jahr zudem ins Neuenburger Kantonsparlament. Seit 2000 ist de la Reussille Syndic der Uhrenstadt. Die Wahl in den Nationalrat versteht de la Reussille als Zeichen der Anerkennung für seine Arbeit als Stadtpräsident von Le Locle, das bei seinem Amtsantritt in die Insolvenz zu schlittern drohte.

Engagement für die AHV

Mit Denis de la Reussille sitzt nach dem Rücktritt des Waadtländers Josef Zisyadis 2011 nun wieder ein Vertreter der radikalen Linken im eidgenössischen Parlament. Er wolle sich insbesondere auch für die sozialen Errungenschaften wie die AHV engagieren, sagte de la Reussille anlässlich seiner Wahl in den Nationalrat. Genau dies hat er gestern getan.

 

Richard Clavadetscher

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