100 Demonstranten in Zürich verhaftet

  • Während sich die SVP-Mitglieder am Sonntag im Kongresshaus zur 100-Jahr-Jubiläumsfeier der SVP Zürich trafen, sorgte draussen ein Grossaufgebot der Polizei für Ruhe.
    Während sich die SVP-Mitglieder am Sonntag im Kongresshaus zur 100-Jahr-Jubiläumsfeier der SVP Zürich trafen, sorgte draussen ein Grossaufgebot der Polizei für Ruhe. (KEYSTONE/ENNIO LEANZA)
19.03.2017 | 17:15

DEMONSTRATION ⋅ Während rund 1000 Personen am Sonntag im Zürcher Kongresshaus das 100-Jahr-Jubiläum der Zürcher SVP feierten, sicherte die Polizei die Umgebung mit einem Grossaufgebot. Am Nachmittag verhaftete die Polizei rund 100 Demonstranten, welche die Feier stören wollten.

Etwa gleich viele Personen wurden weggewiesen. Die befürchtete Eskalation blieb aus. Die Bilanz dieses Nachmittags sei positiv, sagte Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, am späteren Nachmittag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Es habe keine Verletzten gegeben. Auch Schäden seien keine gemeldet worden. Eine detailliertere Bilanz stellte Cortesi für Montag in Aussicht.

Am frühen Nachmittag war die Stimmung noch deutlich angespannter. Die Situation drohte anfangs zu eskalieren, als die Polizei einige Dutzend Demonstranten auf der Quaibrücke einkesselte. Mit Gitterfahrzeugen und Wasserwerfern wurden sie daran gehindert, auf den Bürkliplatz und zum Kongresshaus zu gelangen.

Nachdem die Autonomen längere Zeit in dieser Situation verharren mussten - sie konnten sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen - begann die Polizei damit, sie einzeln abzuführen. Die Polizisten fesselten sie mit Kabelbindern, hängten ihnen ihre Habe in einem Plastiksack um den Hals und führten sie ab. In Kastenwagen wurden sie auf den Posten gebracht.

Am anderen Ende des Seebeckens, in Richtung Enge, gab es zwar wiederholt kleinere Zwischenfälle. Die Polizei konnte diese aber jeweils im Keim ersticken.

Angriff mit Buttersäure

Wegen der Jubiläumsfeier wurde das Seebecken grossräumig mit hohen Zäunen abgesperrt. Mehrere Hundert Polizistinnen und Polizisten standen in Vollmontur im Einsatz. Sie kontrollierten jeden Passanten, der auch nur Ansatzweise wie ein Autonomer aussah.

Ein Helikopter kreiste über dem Seebecken und verfolgte die Bewegungen der Demonstranten aus der Luft. Der Auto- und Tramverkehr war während des ganzen Nachmittags lahmgelegt. Zahlreiche Spaziergänger und Touristen beobachteten die Szenen.

Bereits vor Wochen hatten Linksautonome angekündigt, den SVP-Anlass stören zu wollen. Das Polizeiaufgebot wurde entsprechend aufgestockt. Am Vorabend der Feier platzierten Unbekannte eine Buttersäure-Stinkbombe beim Kongresshaus, der einen penetrant stechenden Geruch im Haus verbreitete. Bis Sonntag konnte der Saal aber gut gelüftet werden, zu riechen war nichts mehr.

Ob Linksautonome für den Stinkbomben-Angriff verantwortlich sind, ist noch nicht abschliessend geklärt. Ein Zusammenhang ist aber mehr als wahrscheinlich, da kurz nach dem Vorfall ein Bekennerschreiben auf der linken Plattform Indymedia aufgeschaltet wurde. Rechte Hetze stinke, schrieben die Unbekannten. Manchmal schade es aber nicht, gewisse Dinge doppelt zu unterstreichen.

Rund 1000 Gäste im Kongresshaus

Im grossen Saal des Kongresshauses bekamen die über 1000 Gäste vom ganzen Polizeieinsatz wenig mit. Auf dem Programm standen unter anderem Reden von SVP-Stratege Christoph Blocher, Bundesrat Ueli Maurer und vom ehemaligen Nationalrat Christoph Mörgeli, der zum 100-Jahr-Jubiläum der Zürcher SVP ein Buch über die Partei geschrieben hat.

Auch Blocher erinnerte in seiner Rede an die Geburtsstunde der Partei - die Gründung der Zürcher Bauernpartei am 4. März 1917 - und deren Weiterentwicklung zur heutigen SVP. Sicher habe die Partei im Laufe der Geschichte auch Fehler gemacht, sagte Blocher gemäss Redetext. Aber, und darauf komme es an: "Ohne das Wirken der SVP wäre die Schweiz in einer misslicheren Lage: wirtschaftlich, gesellschaftspolitisch, punkto Lebensqualität und allgemeiner Wohlfahrt."

Das Jubiläum falle nun in eine für die Partei gute Zeit: Noch nie, seit der Proporz auf Bundesebene existiere, also seit 1919, habe es eine Partei gegeben, die einen höheren Wähleranteil bei den Nationalratswahlen erzielte, als die SVP im Jahre 2015 mit 29,4 Prozent. "Doch da lauern auch Gefahren", warnte Blocher. Denn "nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen." (sda)

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