MOBILTELEFON

Als ein Autotelefon noch 16'000 Euro kostete

Während an der CES in Las Vegas die neusten Gadgets gezeigt werden, jährt sich die Geburt des Natels zum vierzigsten Mal. Ein Natel A war damals 15 Kilogramm schwer.
11.01.2018 | 05:20
Bruno Knellwolf

Bruno Knellwolf

Der Begriff ist nicht totzukriegen. Versuchen Sie es: Geben Sie im Suchfenster Ihrer E-Mails «Natel» ein. Wetten, dass die Suche nach dem Begriff erfolgreich sein wird, weil einige ihre Handynummer noch als Natelnummer bezeichnen? Die Erfindung des Natels ist nun 40 Jahre her und der Computer-Experte Robert Weiss, der zu Hause in Männedorf ein eigenes Computer-Museum führt, spricht von einem «Super-Marketing-Erfolg», welches der damaligen PTT und heutigen Swisscom gelungen ist. Denn vor allem Menschen gehobenen Alters sprechen heute noch vom Natel und nicht vom Handy oder Smartphone.

Im Frühling 1978 lässt die PTT das Natel A erstmals klingeln. Natel steht für «Nationales Autotelefon» und das auffällige Gerät ist in der Regel im Auto eingebaut. «Es gab schon auch Kofferversionen des Natels, aber die konnte man kaum rumtragen, weil sie viel zu schwer waren.» Etwa 15 Kilogramm wog ein solcher Koffer. Robert Weiss war 1980 schon stolzer Besitzer eines Natels A. «Das war extrem teuer. Es kostete 16000 Franken», erzählt der Telekom-Historiker.

Höchstens drei Minuten waren möglich

Mit dem Natel A konnte man allerdings höchstens drei Minuten telefonieren, «dann wurde man aus der Leitung geschmissen», sagt Weiss. Als Natel wurde nicht nur das Gerät, sondern der gesamte Dienst bezeichnet, der im April 1978 aufgeschaltet wurde. Ein Natel-Telefon-Netz, an dem anfänglich lediglich 3000 Empfänger angeschlossen waren. «Interessant war aber, dass die PTT damals viermal mehr solcher Natel-Garnituren verkauft hat», erzählt der Telekom-Historiker. «Das bedeutete, dass nur jeder Dritte damit telefonieren konnte, die anderen hatten das Gerät nur im Auto, um Eindruck zu schinden. Bei Rot vor der Ampel nahmen viele das Telefon ab, obwohl gar niemand in der Leitung sein konnte», erzählt Weiss.

Solche Telefon-Installationen im Auto, die an dessen Batterie angeschlossen waren, gab es in den USA schon länger und auch die PTT hatte schon 1952 in der Region Zürich ein erstes Mobiltelefonnetz gestartet, allerdings nur in der Region Zürich. Bis 1975 wurden weitere regionale Netze eröffnet, der Durchbruch der Mobiltelefonie startet allerdings erst 1978 mit der Lancierung des portablen Nationalen Autotelefons.

Noch ist das schwere Natel A also mehr Statussymbol und zudem ist das Telefonieren teuer. Drei Minuten kosten fünf Franken, hinzu kommt eine monatliche Grundgebühr von 130 Franken. Das System entspricht einer analogen Kleinfunkanlage, via Funk wählt sich das Natel A bei der nächsten Funkantenne ins Telefonnetz ein. In dieser Pionierzeit der Mobiltelefonie dauert es bis zu zwei Minuten bis die Verbindung steht.

Dicker Strich auf dem Faxpapier

«Mit dem Natel A und C hatte ich noch einen Akustik-Koppler und einen Fax im Auto. Wenn ich während des Faxens durch einen Tunnel gefahren bin, entstand auf dem Faxpapier ein schwarzer Strich. Der Empfänger konnte aufgrund der Strichbreite erahnen, durch welchen Tunnel ich gerade gefahren bin», erzählt Weiss. Jahre später verkauft er sein 16000 Franken teures Natel A immerhin noch für 2500 Franken an einen Förster. Dieser schätzt, dass das «Funktelefon» auch in entfernten Bergtälern noch funktioniert, während moderne Netze dort versagen. 1983 kommt das Natel-B-Netz hinzu. Leistungsfähiger und handlicher werden die Natel C, die ab 1987 in Betrieb genommen werden. Der nächste grosse technologische Schritt ist der Wechsel von analoger zu digitaler Telefonie mit dem Natel D im Jahr 1993. Damit einher geht auch die Einführung des GSM, des Mobilfunkstandards der zweiten Generation (2G), welches auch in heutigen Smartphones noch läuft. Später folgt der UMTS-Standard (3G), der die Internet-Verbindungen herstellt.

Der Begriff Natel, seit 1999 markenrechtlich geschützt, hat in den Köpfen der Schweizer überlebt, auch wenn er von Deutschland her vom Handy bedrängt worden ist. Die Marke Natel selbst wurde aber vor einem Jahr von der Swisscom endgültig zu Grabe getragen.

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