• Die Universität und ETH Zürich können ihre beantragten Versuche mit Makaken Affen durchführen. Das Zürcher Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde gegen die Bewilligung abgewiesen.
    Die Universität und ETH Zürich können ihre beantragten Versuche mit Makaken Affen durchführen. Das Zürcher Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde gegen die Bewilligung abgewiesen. (KEYSTONE/AP/JOERG SARBACH)
20.04.2017 | 15:14

Grünes Licht für Affenversuche an Uni Zürich


TIERVERSUCHE ⋅ Die Universität und die ETH Zürich können Versuche mit Primaten durchführen: Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hat eine Beschwerde gegen die Bewilligung abgewiesen. Tierschutzorganisationen kritisieren den Entscheid als "bedenklich" und "empörend".

Forscher des Instituts für Neuroinformatik der Uni und ETH Zürich wollen das "komplexe Zusammenspiel von Nervennetzen in der stirnseitigen Hirnregion" besser verstehen. Sie versprechen sich dadurch neue Erkenntnisse für die künftige Behandlung von psychischen Erkrankungen - etwa Schizophrenie.

Diese Erkenntnisse sollen mit Hilfe von Tierversuchen gewonnen werden: Uni und ETH haben deshalb vor rund drei Jahren ein Gesuch für mehrmonatige Hirnexperimente mit zwei Affen gestellt. Bei Makaken sei der präfrontale Cortex ähnlich strukturiert wie bei Menschen, schreiben die beiden Hochschulen in einer Medienmitteilung vom Donnerstag.

Das Veterinäramt des Kantons Zürich bewilligte diesen Versuch im Juli 2014 auf Antrag der elfköpfigen Tierversuchskommission. Drei ihrer Mitglieder - die drei Vertreter von Tierschutzorganisationen - legten gegen diese Bewilligung Rekurs ein. Diesen lehnte der Regierungsrat im Dezember 2015 ab. Und nun wies auch das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich die Beschwerde ab.

Güterabwägung zugunsten Forschung

Das Urteil wurde im Detail noch nicht veröffentlicht. Aber das Verwaltungsgericht hat offenbar wie zuvor der Regierungsrat in einer Gesamtbetrachtung befunden, dass der möglich Nutzen des Tierversuches die für die beiden Makaken entstehenden Belastungen überwiegt.

Uni-Rektor Michael O. Hengartner wird in der Medienmitteilung denn auch mit den Worten zitiert: "Wie die sorgfältige Güterabwägung aller Instanzen bisher gezeigt hat, überwiegen die möglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser Studie."

Die beiden Hochschulen seien sich der grossen Verantwortung gegenüber den Tieren bewusst, hält Hengartner weiter fest. Sie würden "respektvoll mit den uns anvertrauten Makaken umgehen". So sei die Zahl der Versuchstiere auf das Minimum beschränkt. Deren Belastung soll so gering wie möglich gehalten werden.

Harsche Kritik von Tierschützern

Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) kritisiert die Bewilligung für die Primatenversuche hingegen scharf: Das Leiden der Versuchsaffen sei massiv, die Tiere würden sowohl in ihrer körperlichen Integrität als auch in ihrer Würde erheblich verletzt.

"Mit fixiertem Kopf werden die Affen gezwungen, jeden Tag während mehrere Stunden mit den Augen Aufgaben an einem Bildschirm zu lösen", schreibt TIR. Für die richtige Lösung erhielten die Tiere ein paar Tropfen Flüssigkeit. Ansonsten würden sie, um sie zur Kooperation zu bewegen, durstig gehalten.

Das Tierleid werde von den Forschern systematisch heruntergespielt, hält auch der Zürcher Tierschutz fest. Die Aufgaben der Versuchstiere würden "zynisch als freiwillige Computerspiele beschönigt, Begriffe wie Sklavenarbeit oder Folter wären angemessener".

Von einem "klaren Fehlurteil" spricht Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz. Es gehe nicht nur um diesen Einzelfall: "Die Forschenden erhoffen sich einen Freipass für eine ganze Serie langjähriger Primatenversuche."

Die Vorbereitungen starten

Sobald der Entscheid des Verwaltungsgerichts rechtskräftig ist, wollen die Forscher des Instituts für Neuroinformatik die Vorbereitungen zu ihrer Studie einleiten. Als erstes werden die Tiere aus einer anerkannten Zucht ausgewählt und nach Zürich gebracht.

Danach werden die Makaken "eingeführt und spielerisch an ihre Aufgaben herangeführt", heisst es in der Mitteilung. Erst wenn die Affen ihre Verhaltensaufgaben weitgehend stressfrei lösen, seien die erhobenen Daten auch aussagekräftig, wird der Forschungsleiter Valerio Mante zitiert. Mit den eigentlichen Versuchen könne frühestens im Herbst begonnen werden. (sda)

Kommentare
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geschrieben am 20.04.2017 15:59 | von sCHNURLI2

Ich kann nur Lachen über soviel Blödsinn. Doch ich bin entsetzt . Mann sollte das mal mit den Menschen machen. Mann spricht immer über Menschenrechte, aber was ist mit den Tieren? Haben die den keine Rechte? Auch ich Kritisiere allgemein Tierversuche. Sie sind einfach nur Grausam und Brutal. Und mit sehr grossen Schmerzen verbunden.

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geschrieben am 21.04.2017 09:31 | von Barone

Ja richtig der Homo Sapiens ist auch ein Tier und wir Quälen unsere Brüder und Schwestern.....Heute ist man in der Lage Versuche im Reagenzglas durchzuführen, und alles müssen wir auch nicht Wissen.....der Klub of Rom hat vor 40 Jahren schon gesagt das die Menschheit reduziert werden muss.....darum sind Tierversuche nicht nötig....es ist für die Schöpfung unwichtig, ja sogar besser wen der ... Homo Idioticus ... sich nicht so stark vermehrt.....

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geschrieben am 20.04.2017 17:32 | von nabru

die deutschen hören auf damit, und die Schweizer beginnen !!! bedenklich

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geschrieben am 20.04.2017 18:47 | von Lugano50

Diese Versuche sollten an den Forschern vorgenommen werden und nicht an unschuldigen Tieren. Dies gilt überigens für alle Tierversuche. Es lassen sich nicht alle medizinischen Erkenntnisse mit so viel Leid der Tiere rechtfertigen.

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geschrieben am 21.04.2017 08:26 | von fuertiere

Jedes Jahr werden über 12 Millionen Tiere in Laboren der EU gefoltert und getötet – für den Biologieunterricht, das Medizinstudium, aus Wissbegier und zum Testen von Chemikalien, Medikamenten, Lebensmitteln und Konsumgütern.

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geschrieben am 21.04.2017 14:46 | von diethelm

Als Psychiaterin bin ich skeptisch, dass man Krankheiten wie Schizophrenie so studieren kann. Bei diesen Krankheiten geht es längst nicht nur um Neuroinformatik, sondern das Erleben der Erkrankten ist zentral, und das kann man nur studieren, wenn man mit Betroffenen spricht.

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