Am nächsten Sonntag beginnt die Sommerzeit

  • Am kommenden Sonntag wird die Uhr wieder um eine Stunde verstellt. Das System der Sommerzeit ist ein kontroverses Thema mit einer hundertjährigen Geschichte. (Symbolbild)
    Am kommenden Sonntag wird die Uhr wieder um eine Stunde verstellt. Das System der Sommerzeit ist ein kontroverses Thema mit einer hundertjährigen Geschichte. (Symbolbild) (KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)
20.03.2017 | 14:00

SOMMERZEIT ⋅ Am nächsten Sonntag beginnt in der Schweiz einmal mehr die Sommerzeit. Das System mit der Zeitumstellung hat eine lange Geschichte: Genau vor hundert Jahren weigerte sich der Bundesrat, sich den Nachbarstaaten anzupassen und die Sommerzeit einzuführen.

Im Frühjahr 1916 führten alle vier Nachbarstaaten der Schweiz die Sommerzeit ein und stellten die Uhr während der Sommermonate um eine Stunde vor. Das Ziel war es, vor dem Hintergrund der Kohleknappheit während des Ersten Weltkrieges, Energie zu sparen, wie der Historiker Jakob Messerli in einer Dissertation festhielt.

Die Schweizer Regierung wollte zunächst eingehende Abklärungen machen und führte das System im Jahr 1916 nicht ein. Somit war die Schweiz umgeben von Ländern, die dem Land in den Sommermonaten eine Stunde voraus waren. Nach einem Vernehmlassungsverfahren und einer breiten Debatte entschied sich der Bundesrat am 24. März 1917 definitiv dagegen, nachzuziehen.

Zu wenig Schlaf

Für die Ablehnung sprach einerseits der geringe Nutzen. Das zuständige Departement des Innern und der Bundesrat stuften die Einsparungen des Kohleverbrauchs in der Schweiz gar als "kläglich" ein, wie der Historiker Jakob Messerli aufzeigt. Die Elektrizität sei nicht mehr mit Gas, sondern mehrheitlich mit Strom aus der heimischen Wasserkraft erzeugt worden. Eine Umstellung des System hätte daher auch den Wassersektor benachteiligen können.

Weitere Probleme wurden in der Landwirtschaft festgemacht. So sei es schwierig, das Melken der Kühe und die Milchversorgung anzupassen. Hinzu kämen die gesundheitlichen Konsequenzen, die diese Umwälzungen im Lebensrhythmus von Bauern - und auch von Schülerinnen und Schülern - zur Folge gehabt hätten. Die Arbeitstage der Landbevölkerung seien bereits lang genug, hielt der Bundesrat fest.

Die langen und hellen Sommerabende fanden aber auch Anhänger. Einige sahen darin "einen grossen Vorteil, dass der Arbeiter in der Lage wäre, nach Feierabend noch beim Tageslicht sein Gemüseland zu bebauen, und damit zur vermehrten Inlandsproduktion der Lebensmittel beitragen könnte". In der Diskussion hatte dieses Argument allerdings wenig Gewicht, weil viele in der Verlängerung des Tages eine Gefahr für die Gesundheit des Volkes sahen.

Ausnahme während des Zweiten Weltkriegs

In der Schweiz galt somit weiterhin ganzjährig die mitteleuropäische Zeit. Einzig während des Zweiten Weltkrieges beschloss der Bundesrat, die Sommerzeit während den Jahren 1941 und 1942 einzuführen - mit dem Ziel, Energie zu sparen. Weil diese Einsparungen jedoch zu unbedeutend ausfielen, habe man von der Massnahme im Jahr 1943 wieder abgesehen, hält Jakob Messerli fest.

In der Nachkriegszeit schienen mehrere Länder die Sommerzeit vorübergehend wieder abgeschafft zu haben. So kannte in den 1970er Jahren gemäss Messerli nur noch Italien die dauerhafte Sommerzeit. Frankreich führte sie 1976 wieder ein; 1980 folgten Deutschland und Österreich. Die Schweiz passte sich erst 1981 ihren Nachbarn an und führt die Sommerzeit dauerhaft ein.

Zeitumstellung bleibt umstritten

Die Sommerzeit hat weiterhin Gegner. Eine 1982 von einem Zürcher SVP-Komitee lancierte Volksinitiative zur Abschaffung der Sommerzeit kam jedoch mangels genügender Unterschriften nicht zustande.

Sowohl im Jahr 2010 als auch im vergangenen Jahr reichte die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann eine Motion zur Abschaffung der Sommerzeit ein, die der Bundesrat ablehnte: Abschaffen würde er die Zeitumstellung nur dann, wenn die Mehrheit der umliegenden Länder diesen Schritt auch machen würde, schrieb der Bundesrat dieses Jahr in seiner Antwort auf die Motion.

Die Uhr muss jeweils am letzten Sonntag des Monats März um eine Stunde nach vorne gestellt werden. Am letzten Sonntag im Oktober wird die Uhr wieder zurückgedreht. Diese Praxis wurde im Jahr 1998 zwischen den Staaten der Europäischen Union harmonisiert. (sda)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welcher der folgenden Begriffe ist kein Tier: Maus, Haus, Laus?
 

Meistgelesen

Chester Bennington trat 2014 mit Linkin Park auch am Schweizer Greenfield Festival auf.
Kultur: 20.07.2017, 20:36

Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist tot

Chester Bennington, der Sänger der amerikanischen Rockband Linkin Park, ist tot.
Der Unbekannte trug einen weissen Kapuzen-Pullover der Marke "Under Armour", schwarze Hosen und Schuhe sowie ebenfalls schwarze Handschuhe.
Unfälle & Verbrechen: 20.07.2017, 14:56

Polizei sucht Bankräuber von Wittenbach

Gegen 14 Uhr wurde in Wittenbach die Filiale der Bank Acrevis überfallen.
Nassim Ben Khalifa trug beim letzten Aufeinandertreffen zwischen Lausanne und St.Gallen noch blau-weiss.
Statistik: 20.07.2017, 17:54

Wer soll beim FCSG die Tore schiessen?

Am Samstag beginnt die neue Super-League-Saison. Für den FC St.Gallen geht es auf die Pontaise ...
Yanis Isenring ist Finalist des Elite-Model-Look-Wettbewerbs.
Kanton Thurgau: 20.07.2017, 20:01

Thurgauer taucht in die Welt der Models ein

Yanis Isenring steht im Finale des Elite Model Look Contest.
Die Sängerin Andrea Jürgens, die als Zehnjährige mit einem Scheidungslied berühmt wurde, ist am Donnerstag 50-jährig gestorben. (Archivbild 2016)
Kultur: 20.07.2017, 12:48

Ex-Kinderstar Andrea Jürgens gestorben

Andrea Jürgens gehörte zur Riege der grossen deutschen Schlagerstars.
Silvan Gönitzer gehört neu dem Profikader des FCSG an.
FC St.Gallen: 20.07.2017, 16:12

Silvan Gönitzer neu in der Profi-Mannschaft

Der FC St.Gallen zieht den 20-jährigen Silvan Gönitzer ins Profi-Kader nach.
Mineure freuen sich über den Durchstich am Ruckhaldetunnel.
Ostschweiz: 20.07.2017, 13:27

Im Video: Der Ruckhaldetunnel wächst zusammen

Nach gut einem Jahr Bauzeit wird im Ruckhaldetunnel der Durchstich gefeiert.
Der Keyboarder der Band "Johann Sebastian Bass" trug den Ring seiner verstorbenen Tante seit Jahren am Finger - bis zum Poolbar-Festival in Feldkirch.
Ostschweiz: 20.07.2017, 19:35

Verschwundener Fingerring: Happy-End für Pianisten

Die Geschichte um den verschwundenen Fingerring des Pianisten von Johann Sebastian Bass am ...
Unfälle & Verbrechen: 20.07.2017, 10:48

Mehrere Verkehrsteilnehmer angezeigt

Am Mittwoch hat die Stadtpolizei St.Gallen mehrere Verkehrskontrollen durchgeführt.
An Bundesfeiern wird nach wie vor der Schweizerpsalm gesungen.
Schweiz: 20.07.2017, 21:32

Altbundesräte wollen neue Hymne

Die amtierende Landesregierung sieht keine Notwendigkeit für eine neue Landeshymne.
Zur klassischen Ansicht wechseln