PREMIERE AM DONNERSTAG

"Kein Pilgerkitsch vor blauem Himmel": Der Film zur Pilgerreise von St.Gallen nach Rom

Drei junge Filmemacher haben die Pilgergruppe begleitet, die 2016 für eine katholische Kirche im Dialog mit den Frauen von St.Gallen nach Rom wanderte. Nun kommt «Habemus Feminas!» in die Programmkinos. Der Weg geht weiter.
10.01.2018 | 05:22
Bettina Kugler

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

Als die drei Jungfilmer Anfang Mai 2016 im Zug von Zürich nach St.Gallen sitzen und die Kamera im Abteil mitlaufen lassen, wissen sie noch nicht genau, was auf sie zukommt. Nur, dass 1200 Kilometer Fussweg mit Equipment vor ihnen liegen, das ungeschriebene Drehbuch einer eher aussichtslosen, aber doch vielversprechenden Geschichte – und dass sie, vernünftig betrachtet, ziemlich verrückt sind.

«Jeder Dozent an der Filmhochschule schärft seinen Studierenden ein, nie mit dem Dreh zu beginnen, bevor ein Projekt finanziert ist. Das sei Selbstmord.» Silvan Maximilian Hohl, Jahrgang 1995, Filmstudent in Zürich, konnte dennoch die Finger nicht davon lassen. Auf die Gefahr hin, Ersparnisse aufzubrauchen und mit dem Risiko, schräg angeschaut zu werden, als «fromm» zu gelten.

Stoff für ein Roadmovie der besonderen Art

Katholische Kirche? Mehr Mitsprache von Frauen? Unter Anfang-20-Jährigen gibt das kaum Gesprächsstoff. Wer überhaupt konfessionell gebunden ist, dürfte bei dem Thema nicht mit Dynamik rechnen – eher mit Standbildern. Dennoch machten sich Silvan Maximilian Hohl, römisch-katholisch, Kameramann Nino Burkart und Tontechniker Ahren Merz, konfessionslos, auf den Weg – im Bewusstsein, dass dabei auch ihre persönliche Haltung, ihr Bild von Kirche in Bewegung kommen würden. Sie wollten nur beobachten; doch ihre eigenen Fragen und Gedanken wurden Teil des Films. Vom Vorhaben der Ostschweizer Theologinnen Hildegard Aepli und Esther Rüthemann sowie dem Jesuitenpater Franz Mali, mit einer Gruppe von Pilgerinnen zu Fuss von St.Gallen nach Rom zu laufen und vor Papst Franziskus für eine «Kirche mit den Frauen» einzustehen, hatte Hohls Mutter in einem Beitrag am Radio gehört und ihrem Sohn beim Abendessen davon erzählt. «Da wusste ich intuitiv, dass das Stoff für ein Roadmovie der besonderen Art gäbe.»

Silvan Maximilian Hohl dachte zunächst an eine 15-minütige Dokumentation; eine solche hätte er als praktische Arbeit für ein Studienmodul einreichen können. Doch es zeigte sich, dass die Geschichte mehr Zeit brauchte. Hohl machte ein Semester Pause, investierte vier Monate in den Schnitt, kämpfte gegen Selbstzweifel – und lernte das Handwerk gründlich. Der fertige Film, finanziert über Crowdfunding, ist 110 Minuten lang; er vermittelt damit auch beim Sehen ein Gefühl des Unterwegsseins zu Fuss, eher auf schmalen Pfaden als an Schnellstrassen entlang. Insgesamt 1651 Gläubige, Männer und Frauen, waren auf verschiedenen Etappen der Wegstrecke mit dabei; sehr viel mehr Menschen unterstützten das Anliegen, verfolgten es über einen Pilgerblog.

Kein Pilgerkitsch vor blauem Himmel

Der Film spart die körperlichen Mühen und Blessuren nicht aus. Er lässt die Verantwortlichen zu Wort kommen und geht dabei berührend nah heran. Sehr bewusst setzt «Habemus Feminas!» seine Mittel ein: Tempo und Kameraeinstellung, Kontrast und Rhythmus, die Tonspur. «Wahrhaftig» sollte er sein, deshalb zeigt er den Marsch in Rückblenden in Schwarz-Weiss-Bildern. «Ich wollte keinen Pilgerkitsch vor blauem Himmel», sagt Hohl. Das System, mit dem die Pilgerinnen nach wie vor den Dialog suchen, sei genauso: schwarz-weiss. In Wahrheit aber, merkten die Filmemacher Schritt für Schritt, sei Kirche dort, wo Menschen im Glauben unterwegs sind.

Habemus Feminas! Premiere im Kinok St.Gallen am 11.1., 18 Uhr, mit Bischof Markus Büchel und Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter (ausverkauft). Weitere Termine: 14. 1., 12.30 Uhr; 17. 1. 14.30 Uhr; 27. 1. 13 Uhr

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