Keine Katzenmusik am Thunersee

  • An den Thunerseespielen sind die Miezen moderner ausgestattet als in der Urinszenierung von Andrew Lloyd Webber: das Musical "Cats".
    An den Thunerseespielen sind die Miezen moderner ausgestattet als in der Urinszenierung von Andrew Lloyd Webber: das Musical "Cats". (Keystone/THOMAS HODEL)
13.07.2017 | 10:48

FREILICHTSPIELE ⋅ Wunderschönes Bühnenbild, dynamische Choreografie mit starken akrobatischen Momenten, pfiffige Regieeinfälle, ein stimmlich und motorisch gut aufgestelltes Rudel: Mit "Cats" zeigen die Thunerseespiele die vielleicht gelungenste Produktion ihrer Geschichte.

Ein verfallenes Jahrmarktsgelände nach der Apokalypse. Aus allen Ecken schleichen sich Katzen an. Sie treffen sich zur Jahresversammlung der Jellicle-Cats, auf welcher der betagte Oberboss die Katze erwählt, die ein neues Leben verdient.

Wie in einer Castingshow werden Katzencharaktere vorgestellt: der Rum Tum Tugger etwa, ein nervtötender Bluffer, der reihenweise Miezenherzen bricht; Mungojerrie und Rumpelteazer, die keinen Blödsinn auslassen; oder der Bösewicht Macavity, der einen das Gruseln lehrt.

Und vor allem die räudige Grizabella, einst eine glamouröse Samtpfote, welche das Rudel verlassen hat und - als sie gealtert zurückkehrt - von diesem nicht wieder aufgenommen wird. Herzerweichend singt sie ihren Welthit "Memory": "Hoffnung, in mir lebt noch die Hoffnung/Dass ich nicht einfach sterbe, wie die Kerze im Wind."

Entstaubt und entniedlicht

Die Thuner Fassung der 1981 uraufgeführten "Cats" ist nichts für Puristen; sie wiederholt nicht die Urinszenierung, wie sie von Andrew Lloyd Webber bis zum kleinsten Barthaar minutiös vorgeschrieben ist. Die Thuner Büsis sehen denn trotz Schwanz, Öhrchen und Katzengesichtern nicht so "realistisch" aus, wie diejenigen, die man sonst kennt.

Um die Jellicle-Cats als Stammesmitglieder zu kennzeichnen, tragen die Darsteller bemalte Ganzkörper-Strümpfe, die wie Tribal Tattoos aussehen. Darüber individuelle Röckchen, Hosen, Shorts, manche gestreift mit einzelnen Neon-Farbtupfern. Das wirkt übersichtlicher als die naturfarbenen Originale und ausserdem moderner. Auch die katzenhaften Bewegungsstereotype hat die Regisseurin und Choreografin Kim Duddy minimiert: Die seien ihr zu klischeehaft, sagt sie.

Nicht nur Lucas Fischer turnt

Anderes hat sie wiederum verstärkt, vor allem die akrobatischen Einlagen, die schon im Original vorkommen. Mit der Österreicherin Christina Zauner als Victoria und dem Ukrainer Dmytro Karpenko als Mr. Mistoffeles hat sie zwei ausgebildete Luftakrobaten engagiert, die Aerial Hoop (Akrobatik am aufgehängten Ring) und Aerial Silk (Vertikaltuchakrobatik) beherrschen.

Einer der überzeugendsten Darsteller im multikulturellen Cast ist der Zürcher Philipp Hägeli, der schon viermal an den Thunerseespiele mitwirkte, unter anderem 2009 in der Titelrolle des "Jesus Christ Superstar". Dieses Jahr gibt er den Munkustrap, so etwas wie der Vizechef.

Dreh- und Angelpunkt jeder "Cats"-Aufführung ist Grizabella. Kerstin Ibald singt sie makellos. Sie würde gern nächstes Jahr wieder auf der Thunerseebühne stehen, sagt sie - weil's hier so schön ist. Die Crux: "Mamma Mia!" wird auf Berndeutsch gegeben. Da muss die Österreicherin passen.

www.thunerseespiele.ch (sda)

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