Kaum Chancen für Schweizer in Klagenfurt

  • V.l.: Daniel Goetsch, Gianna Molinari und Urs Mannhart haben die Schweiz am Wettlesen um den Bachmannpreis vertreten. Wenn am Sonntag in Klagenfurt die Preise verteilt werden, dürfen sie sich nicht allzu grosse Hoffnungen machen - zu stark ist die Konkurrenz, namentlich aus Österreich.
    V.l.: Daniel Goetsch, Gianna Molinari und Urs Mannhart haben die Schweiz am Wettlesen um den Bachmannpreis vertreten. Wenn am Sonntag in Klagenfurt die Preise verteilt werden, dürfen sie sich nicht allzu grosse Hoffnungen machen - zu stark ist die Konkurrenz, namentlich aus Österreich. (Keystone)
08.07.2017 | 16:15

BACHMANNPREIS ⋅ Der Berner Urs Mannhart hat am Samstag mit einer Wolfsjäger-Geschichte aus dem wilden Kirgisistan das Wettlesen um den Bachmannpreis beendet. Er erhielt gemischte Kritiken, ebenso wie die Baslerin Gianna Molinari. Die Hauptpreise werden wohl an Österreicher gehen.

Wie schon der Zürcher Daniel Goetsch, der am Donnerstag zum Lesen antrat, platzierte sich Mannhart in der Jury-Meinung eher im unteren Drittel. Etwas mehr Wohlwollen erntete Molinari, die wie etliche andere Autoren dieses Jahr die Flüchtlingsthematik ins Visier nahm. Das Thema sei "vermintes Gelände", meinte ein Juror, aber die Autorin gehe gut damit um, indem sie es distanziert anging.

Im Text "Loses Mappe" sieht ein Mann einen Menschen vom Himmel fallen, will das aber nicht wahrhaben. Nachdem er erfahren hat, dass sich ein Flüchtling in einem Flugzeugfahrwerk versteckt hatte und beim Landeanflug erfroren in die Tiefe stürzte, sammelt er in einer Mappe Materialien zum Fall: Zeitungsausschnitte, aber auch Polizeifotos, die - ein Novum in Klagenfurt - im Typoskript mit abgebildet sind. Das Dokumentarische in der Literatur interessiere derzeit sehr, wurde gelobt.

Gerade umgekehrt erging es der italienisch-deutschen Doppelbürgerin Maxi Obexer, die gleich nach Molinari las - ebenfalls einen Text zum Thema Flüchtlinge, allerdings distanzlos und mit klischierter Betroffenheitsrhetorik kontaminiert. Die Südtirolerin konterkarierte die Geschichte ihrer Einbürgerung in Deutschland mit der aktuellen Flüchtlingskrise. Die Gegenüberstellung der Luxusprobleme der Europäerin mit den lebensbedrohenden Nöten von Migranten goutierten die meisten Juroren gar nicht.

Humor könnte den Ausschlag geben

Den besten Text des dritten Lesetages lieferte der Deutsche Eckhart Nickel. "Hysteria" beginnt damit, dass die Bio-Himbeeren plötzlich anders schmecken, was einen Verbraucher dazu bewegt, die zuständige Produktionskooperative aufzusuchen. Dort trifft er auf eine Art Dr. Mabuse, der durch Rückzüchtungen eine "ideale" Tier- und Pflanzenwelt herstellen will. Der Besuch bekommt dem Bio-Konsumenten gar nicht gut.

Nickel dürfte bei der Preisvergabe am Sonntag eine der fünf Auszeichnungen sicher sein. Das Rennen um den Bachmannpreis in Höhe von 25'000 Euro werden aber wohl zwei Österreicher unter sich ausmachen: der Austro-Amerikaner John Wray, der sich mit englischsprachigen Romanen in den USA bereits so etwas wie Starruhm erschrieben hat, sowie der Wiener Dramatiker Ferdinand Schmalz. Beide ernteten fast durchgängig Kritiken wie "brillant" oder "makellos".

Die Waage könnte für Schmalz ausschlagen, denn sein Text "mein lieblingstier heisst winter" ist nicht nur gekonnt, sondern auch überaus witzig. In der Geschichte soll ein Tiefkühlkost-Lieferant seinem Kunden Dr. Schauer dabei helfen, seine eigene Leiche in der Tiefkühltruhe zu entsorgen. Dabei geht wohl etwas schief. Denn als der Eismann die Truhe öffnet, ist sie leer. "kein kalter schauer. nur kalte luft, die ihm entgegenstürzt", endet das Prosastück. (sda)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was ist das Gegenteil von Weiss??
 

Meistgelesen

In den Churfirsten ist ein Berggänger tödlich verunglückt.
Unfälle & Verbrechen: 23.07.2017, 08:08

Berggänger stirbt nach Unfall

Am Samstagmittag ist ein 57-jähriger auf einer Tour über die Churfirsten beim Selun abgestürzt.
Die beiden Teams haben sich nichts geschenkt: St.Galler Roman Buess und Waadtländer Alain Rochat im Kopfballduell.
FC St.Gallen: 22.07.2017, 20:42

Eine Achterbahnfahrt zum Saisonstart

Der FC St. Gallen erlebt beim 3:3 in Lausanne ein selbstverschuldetes Auf und Ab.
Elvina und ihr Mann Kushia (Mitte) sollen das Land verlassen. Die Familie kämpft dagegen: Amber und Patrick Schenk (oben links), Kurt und Patricia Sturzenegger (links Mitte), Geschwister und Kinder.
Ostschweiz: 22.07.2017, 07:13

Alle für Vater

Das Bundesgericht hat entschieden: Ein älteres pakistanisches Ehepaar muss die Schweiz verlassen.
In der Nacht auf Samstag hat die St.Galler Kantonspolizei mehrere Autofahrer aus dem Verkehr gezogen.
Unfälle & Verbrechen: 22.07.2017, 12:12

Fahrausweis einen Tag nach der Prüfung schon wieder weg

In der Nacht auf Samstag hat die St.Galler Kantonspolizei mehrere Autofahrer wegen Alkohol- oder ...
Das Ehepaar repräsentiert die Schweiz in der Schule ihrer Kinder.
Region Uzwil/Flawil: 22.07.2017, 05:17

Die Selfmade-Bäckerin

Jacqueline Baumann hat einst in Flawil eine Lehre als Kauffrau bei der Flawa abgeschlossen.
Die Informatikerin Nicole Falkner beschäftigt sich beruflich mit Nullen und Einsen, dem binären Code.
Region Wil: 22.07.2017, 08:13

Die Frau hinter den Zahlen

Nullen und Einsen gehören zu ihrer Sprache. In dieser «Männerdomäne» sind Informatikerinnen ...
Beim Eingang der Badi Ermatingen werden die Gäste auf die Entenflohgefahr aufmerksam gemacht.
Kanton Thurgau: 22.07.2017, 08:28

Er beisst, stirbt und beisst

Die Badi Ermatingen warnt vor Entenflöhen: Bei warmen Wassertemperaturen werden viele Badegäste ...
Die Männer brachten das Opfer zum Straucheln und entrissen ihm das Portemonnaie.
Unfälle & Verbrechen: 23.07.2017, 09:49

Zu sechst jungen Mann überfallen

In der Nacht auf Sonntag haben mehrere Täter an der Unterstrasse in St.Gallen einen 22-jährigen ...
Der Inhalt des TLFs wird im neuen Fahrzeug weiterhin benutzt.
Region St.Gallen: 22.07.2017, 05:17

24 Jahre lang «durch dick und dünn»

Seit kurzem bietet die Gemeinde Muolen ihr Tanklöschfahrzeug mit Baujahr 1993 zum Verkauf an.
Blitzreiche Gewitter sind am Samstagabend von Bern weiter über das Mittelland bis nach Süddeutschland gezogen.
Panorama: 23.07.2017, 01:52

Kräftige Gewitter führen zu Überschwemmungen

In der Nacht auf Sonntag sind teils kräftige Gewitter mit viel Regen, Hagel und Sturmböen über ...
Zur klassischen Ansicht wechseln