DOKFILMFESTIVAL

Dokfilmfestival Visions du réel eröffnet

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat am Freitagabend in Nyon VD das 49. Dokumentarfilmfestival Visions du réel eröffnet. Sie bedankte sich beim Festival dafür, dass es ein Schaufenster sei für Kino, "das unseren Blick schärft und erweitert".
13.04.2018 | 19:30

"Jene zu Wort kommen lassen, die keiner hört, und sich hoch komplexer Themen annehmen: Darin liegt der Mut der Dokumentarfilmer", betonte die Magistratin. "Eine der Stärken des Dokumentarfilms ist, dass er uns mit einbezieht, ohne einfache Urteile zu fällen, nach denen die Guten auf der einen und die Bösen auf der anderen Seite stehen."

Sie selber gehe nicht ins Kino, um sich zu unterhalten, sagte Sommaruga. "Ich sehe mir Filme an, um meinen Wissensdurst zu stillen. Denn um zu wissen, reicht es nicht, Informationen und Berichte zu lesen. Um zu wissen, muss man auch mitfühlen, im Gesicht eines Kindes lesen, die Stimme einer untröstlichen Frau hören, sich Küchendüfte vorstellen, das Gefühl haben, dort zu sein, obwohl man es nicht ist."

"Einmal mehr kommt die Welt nach Nyon, und es bleibt die Rolle des Festivals, Erforscher und Vorreiter zu sein", fasste Claude Ruey, Exekutiv-Präsident von Visions du Réel, zusammen. Passend dazu wurde an der Eröffnung die deutsch-syrisch-libanesisch-katarische Koproduktion "Of Fathers and Sons" von Talal Derki präsentiert. Er zeigt den Alltag der Familie des Gründers eines Al-Kaida-Zweigs in Syrien, der davon besessen ist, seinen Mitmenschen die Scharia aufzuzwingen.

"Aufforderung zur Entdeckung des Anderen"

Die Eröffnungsgala im Théâtre de Marens war ausverkauft. Zahlreiche Prominente aus der Filmbranche und vor allem aus der Politik waren der Einladung gefolgt: Im Publikum sassen unter anderen auch Jean-Michel Cina, Präsident der SRG, und Sven Wälti, Mitglied der Generaldirektion SRG.

Cesla Amarelle, Regierungsrätin des Kantons Waadt, nannte das Festival in ihrem Grusswort ein "Rendez-vous mit unserer Gesellschaft, mit unserer Welt. Es ist eine Begegnung mit unserer realen und lebendigen Welt, mit dem Hier und Jetzt. Es ist die Aufforderung zur Entdeckung des Anderen, seiner Kultur, seiner Lebensart, seiner Ideen".

Bis zum 21. April stehen 174 Filme aus 53 Ländern auf dem Programm. 80 Filme laufen in Wettbewerbssektionen, darunter 21 aus der Schweiz. Geografische Schwerpunkte liegen dieses Jahr in den USA und Grossbritannien, ausserdem in Osteuropa, namentlich der Ukraine. Serbien erhält eine eigene Sektion. Gerechnet wird mit um die 40'000 Eintritten. (sda)

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