«Bei uns wird nicht getüftelt»

  • Wanda um Sänger Marco Fitzthum (l.) kombinieren Wiener Schmäh mit Rocker-Attitüde.
    Wanda um Sänger Marco Fitzthum (l.) kombinieren Wiener Schmäh mit Rocker-Attitüde. (Bild: PD)
06.10.2017 | 05:20

AUSTROPOP ⋅ Sie werden als die «vielleicht letzte wichtige Rock’n’Roll-Band unserer Generation» bezeichnet. Auch auf ihrem dritten Album machen Wanda alles richtig und doch nichts Neues.

Michael Gasser

Michael Gasser

Vor drei Jahren traten Wanda mit dem Ansinnen hervor, Popmusik mit Amore zu kreieren. Benannt nach der «Wilden Wanda», einer schillernden und gefürchteten Wiener Zuhälterin, ist das den fünf Österreichern längst gelungen. «Wenn dich jemand fragt, wofür du stehst, sag’ für Amore» aus dem Lied «Bologna» wurde zum geflügelten Satz. An der Mitsingtauglichkeit ihrer Lieder hält die fünfköpfige Band aus Wien auch auf ihrem dritten Album, «Niente», fest. Seit ihrem Débüt habe sich eigentlich nur wenig verändert, sagt Sänger Marco Wanda, der mit bürgerlichem Namen Fitzthum heisst. «Wir sind immer noch von der Besessenheit getragen, gute Musik zu schreiben. Und unsere Texte sollen unserem Publikum weiterhin als Projektionsfläche dienen.» Zusammen mit dem Gitarristen Manuel Poppe ist Fitzthum für einen Interviewtag in der Schweiz.

Als Junge habe er von einer Karriere als Stuntman geträumt, doch seine Eltern schenkten ihm stattdessen ein Mickey-Mouse-Schlagzeug, auf dem er so lange herumgehüpft sei, bis es kaputtging, erzählt Fitzthum. Trotzdem ist er Musiker geworden. «Als Kind hat man die Fähigkeit, in eine magische Welt einzutreten. Heute gelingt mir das nur noch auf der Bühne», so der Sänger. Vielleicht mit ein Grund, warum er auf «Niente» öfters von Vergangenem singt: In «Columbo» erinnert er sich an den nur scheinbar schusseligen Inspektor gleichen Namens, der erstmals Ende der 1960er-Jahre über den Bildschirm flimmerte, in «0043» schaut man zu melancholischen Orgelklängen auf die «traurig schöne Kindheit» zurück.

Er glaube jedoch nicht, dass die Songs der Nostalgie geschuldet seien, so Fitzthum. «Ich habe zwar versucht, mich an früher zu erinnern, doch gelungen ist mir das nicht.» Im Idealfall erzähle das Album denn auch nicht seine, sondern die Geschichte des jeweiligen Zuhörers. Eingespielt haben Wanda die zwölf Lieder in kurzen anderthalb Wochen. «Die Intuition ist bei uns oberstes Gesetz», erklärt Poppe und genehmigt sich einen Schluck Bier. «Bei uns wird nicht gebrütet und nicht getüftelt.» Was bei der dritten Aufnahme nicht funktioniere, werde gekippt. Warum? «Als Musiker musst du die Eitelkeit mit allen Mitteln bekämpfen. Du musst nicht dir selbst, sondern den Liedern dienen», führt Fitzthum aus. Musikalische Diskussionen gäbe es bei Wanda so gut wie keine. «Wir sind alle ziemlich gleichgeschaltet und verstehen uns blind», weiss der Frontmann. Bei Wanda stehen nicht die klangliche Neuerfindung im Vordergrund, sondern die Worte und der Schmäh. «Denn gute Witze vernichten die Wirklichkeit», ist sich Fitzthum sicher. Dabei gehe es vor allem darum, die Langeweile zu zerstören. «Damit uns das gelingt, fahren wir in Wien viel Taxi», ergänzt Poppe. «Denn deren Lenker sind nicht bloss lustig, sondern auch die wahren Weisen unserer Gesellschaft.»

Nicht vergessen hat die Band ihr «Lascia mi fare», ein italienisch vorgetragenes Lied. «Als Kind wurde ich in den Ferien häufig nach Italien verfrachtet. Seit meiner Geburt fühle ich mich dem Land verbunden», sagt Fitzhum. Noch stärker verbunden fühlt er sich dem Austropop und dessen grossen Vertretern, insbesondere Liedermacher Wolfgang Ambros. «Wir müssen unseren diversen Vorreitern dankbar sein.» Wanda könne auf dem aufbauen, was andere geschaffen hätten. Die beiden Vielraucher erklären unisono: «Da ist auch ein wenig Demut angesagt.» Aber nicht zu viel, schliesslich wollen Wanda weiter aufdrehen, wie Marco Fitzthum und Manuel Poppe versichern.

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