Michael Ballhaus ist tot

  • Der Kameramann Michael Ballhaus, einer der angesehensten seines Fachs, ist mit 81 Jahren gestorben.
    Der Kameramann Michael Ballhaus, einer der angesehensten seines Fachs, ist mit 81 Jahren gestorben. (KEYSTONE/EPA DPA/GREGOR FISCHER)
12.04.2017 | 18:46

TODESFALL ⋅ Der grosse Kameramann Michael Ballhaus ist tot. Der langjährige künstlerische Weggefährte von Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder oder Martin Scorsese verstarb in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 81 Jahren in Berlin.

Ballhaus war drei Mal für einen Oscar nominiert. Er hatte nach seiner Anfangszeit in Deutschland auch in Hollywood zahlreiche Erfolge gefeiert. Zu den bekanntesten Arbeiten des Filmkünstlers zählen Werke wie "Die Ehe der Maria Braun" oder "Gangs of New York". Für sein Lebenswerk erhielt der seit einiger Zeit mit gesundheitlichen Problemen kämpfende Ballhaus im Vorjahr den Goldenen Ehrenbären bei der Berlinale.

25 Jahre lang arbeitete Ballhaus in den USA mit den wichtigsten Regisseuren zusammen - neben Nichols etwa mit Francis Ford Coppola, Robert Redford, Wolfgang Petersen und Robert De Niro. Allein sieben Filme entstanden aus der beispiellosen künstlerischen Beziehung mit Martin Scorsese.

Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film "After Hours" (1985) bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk "Departed" (2006) mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson entwickelte das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitete.

Scorseses Bandenepos "Gangs of New York" trug ihm 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein - nach James L. Brooks' Komödie "Nachrichtenfieber" (1987) und Steven Kloves' Nachtclubfilm "Die fabelhaften Baker Boys" (1989). Wie dort Michelle Pfeiffer im roten Glitzerkleid lasziv auf einem schwarzen Flügel liegt, während die Kamera sie in einem einzigen grossen Bogen umfährt - das wurde als "Ballhaus-Kreisel" zu seinem Markenzeichen.

Aufstieg mit und Flucht vor Fassbinder

Entdeckt hat er die Liebe zum bewegten Bild schon als 18-Jähriger. 1935 in Berlin geboren und in der Theaterkommune seiner Schauspieler-Eltern im fränkischen Coburg aufgewachsen, hatte er damals Max Ophüls beim Dreh für "Lola Montez" zuschauen dürfen.

Nach einem Start beim Fernsehen in Baden-Baden lernte er bald den jungen Rainer Werner Fassbinder kennen. Mit dem ebenso genialen wie exzentrischen Regisseur avancierte er in den 70er Jahren zum Vorzeige-Duo des Neuen Deutschen Films.

Nach 15 gemeinsamen Filmen überwarfen sich die beiden, Ballhaus flüchtete vor dem "Koks-Monster" nach Hollywood. (sda/apa)

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