• Mick Jagger, Bill Wyman, Brian Jones, Charlie Watts und Keith Richards bei ihrer Ankunft im Flughafen Kloten am 10. April 1967. Ihr Konzert vier Tage später ist als Riesen-Krawall überliefert, der die 68er-Revolte einleitete. Aus heutiger Sicht war der Radau der Fans aber nicht politisch begründet.
    Mick Jagger, Bill Wyman, Brian Jones, Charlie Watts und Keith Richards bei ihrer Ankunft im Flughafen Kloten am 10. April 1967. Ihr Konzert vier Tage später ist als Riesen-Krawall überliefert, der die 68er-Revolte einleitete. Aus heutiger Sicht war der Radau der Fans aber nicht politisch begründet. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/STR)
12.04.2017 | 10:45

50 Jahre nach dem angeblichen Stones-Krawall


ZUM 14. APRIL ⋅ Vor 50 Jahren schreckten Krawalle bei einem Rolling Stones-Konzert in Zürich die bürgerliche Gesellschaft auf. Als Auftakt der 68er Revolte gelten die Ereignisse heute. Einer, der dabei war, sieht das anders.

Unendlich cool stiegen die bösesten Buben der damaligen Musikszene vor genau 50 Jahren in Zürich aus dem Flugzeug: Sonnenbrillen, Zottelmäntel, Schlafzimmerblick. Die Rolling Stones kaspern vor den Kameras lässig herum. "LSD ist gut", sagt Mick Jagger. Kreischende Mädchen, die in Ohnmacht fallen? "Sie sollen tun, was ihnen gefällt", sagt Jagger. Yeah.

Doch an diesem 14. April 1967 ist in Zürich nichts mit Flowerpower - der Konzertabend vor mehr als 10'000 Zuschauern im Hallenstadion endet mit Wasserwerfern und knüppelnden Polizisten. "Vandalen", "Tumulte mit gravierenden Formen" - so empört sich die bürgerliche Presse sofort. Die Konzertbesucher hätten alles kurz und klein geschlagen.

Das Konzert gilt als Vorbote der 68er-Revolution: der Abend, an dem der Aufstand der Jugend gegen die ihr so spiessig erscheinende Gesellschaft begann. "Alles Quatsch", sagt der Schweizer Musiker Max Lässer, Jahrgang 1950. Er muss es wissen, er war dabei.

Musik war kaum zu hören

"Man hat ja kaum etwas gehört", sagt Lässer. "Die hatten im Stadion eine Anlage, mit der man heute höchstens 200 Menschen beschallen würde." Aber die Musik, meint Lässer, war ohnehin zweitrangig. "Die Energie, das war entscheidend. So etwas hatte man ja noch nie erlebt."

Nach den Berichten der damaligen bürgerlichen Chronisten entlud sich diese Energie in Randale. "Das Konzert ist zu Ende. Die Schlacht bricht aus", sagt ein Radioreporter zwei Tage später martialisch in einer Reportage für Radio Beromünster, bevor er Krach-Geräusche einspielt. "Was Sie jetzt hören, das sind Sitzplätze, die kraftvoll in ihre Bestandteile zerlegt werden."

Bei Max Lässer klingt das anders: "Da waren ein paar Radaubrüder am Werk, keine Menge mit Zerstörungswut. Vielleicht haben sie Frust abgelassen, weil man ja kaum etwas gehört hatte." Niemand, der dabei war, habe das als grossen Krawall empfunden. Die Berichterstattung sei völlig übertrieben gewesen. Dass dieses Konzert als Auftakt der Jugendrevolte hochstilisiert wird, wundert ihn. "Wir hatten absolut nichts mit Politik im Sinn", betont er. (sda/dpa)

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