Nach den USA tritt auch Israel aus der UNESCO aus

  • Die USA und Israel ziehen sich aus der UNESCO zurück und begründen dies mit einer zunehmend antiisraelischen Politik der UNO-Organisation.
    Die USA und Israel ziehen sich aus der UNESCO zurück und begründen dies mit einer zunehmend antiisraelischen Politik der UNO-Organisation. (Keystone/AP/FRANCOIS MORI)
12.10.2017 | 15:29

VEREINTE NATIONEN ⋅ Die USA und Israel ziehen sich aus der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, UNESCO, zurück. Beide Länder werfen der UNESCO eine israelfeindliche Haltung vor.

Das Aussenministerium in Washington begründete den Schritt am Donnerstag unter anderem damit, dass die UNESCO eine "grundlegende Reform" brauche und zunehmend anti-israelische Positionen vertrete.

Der Schritt sei der Regierung nicht leicht gefallen, erklärte Sprecherin Heather Nauert. Man störe sich aber an der israelfeindlichen Haltung der UNESCO und an Zahlungsrückständen innerhalb der Organisation. Der Austritt soll nach ihren Angaben am 31. Dezember 2018 wirksam werden. Die USA wollten danach jedoch einen Beobachterstatus behalten.

Die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa sei formell über die Entscheidung der US-Regierung unterrichtet worden. Bokowa bezeichnete den Schritt in einer ersten Reaktion als bedauerlich. Der Austritt sei für "die Familie der Vereinten Nationen" und für den Multilateralismus ein Verlust.

"Absurdes Theater"

Wenig später kündigte auch Israel seinen Austritt aus der UNESCO an. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe das Aussenministerium angewiesen, den Austritt Israels an der Seite der USA vorzubereiten, hiess es in einer am Donnerstag in Jerusalem veröffentlichten Erklärung von Netanjahus Büro. Der Regierungschef begrüsste demnach die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die UNESCO zu verlassen.

"Dies ist eine mutige und moralische Entscheidung, weil die UNESCO ein absurdes Theater geworden ist und weil sie, anstatt Geschichte zu bewahren, diese verzerrt", hiess es in der Erklärung.

Schatten des Nahostkonflikts

Die Arbeit der UNESCO stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Schatten von Streit vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts. Nach der Aufnahme Palästinas in die Organisation hatten die USA 2011 ihre Zahlungen an die UNESCO gestoppt - dabei wären sie eigentlich der grösste Beitragszahler. Im Sommer sorgte die Entscheidung, die Altstadt von Hebron zum palästinensischen Weltkulturerbe zu erklären, für Empörung in Israel.

Die UNESCO ist vor allem für die Listen des Weltkulturerbes bekannt. Doch die Organisation mit 2100 Mitarbeitern und einem dreistelligen Millionen-Etat ist in vielen weiteren Feldern aktiv - von Bildung über Biosphärenreservate bis Gleichberechtigung. Ihr Auftrag ist es, das wechselseitige Verständnis zwischen den Nationen zu fördern.

1984 waren die USA schon einmal aus der Organisation ausgetreten. Als Gründe gaben sie damals die anti-westliche Politisierung und ein ineffizientes Management an. Erst 2003 kehrten die USA zurück. (sda/afp/dpa)

Kommentare
Kommentar zu: Nach den USA tritt auch Israel aus der UNESCO aus
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geschrieben am 13.10.2017 19:34 | von boris kerzenmacher

Perlen der Kultur im UNESCO-Exekutivrat:
Beispiel Sudan:
Der Präsident ist ein vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesuchter Völkermörder.
Beispiel Katar:
Wie meinte der ehemalige deutscher Fussballspieler, -trainer und -funktionär Franz Beckenbauer 2013: „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen"
Beispiel Elfenbeinküste:
Dort blüht die Kultur dank Kindersklaverei
Beispiel Iran:
Man weiss wie sehr die iranische Führung insbesondere das Werk der Filmschaffenden verfolgt.
Wie in jeder progressiven Kulturnation (siehe Nigeria und Katar) ist im Iran Homosexualität verboten.
Beispiel Kamerun:
Paul Biya, seit 1982 im Amt, kümmert sich hier persönlich um die kulturellen Belange und schützt sein Volk durch regelmässige Internetsperren vor Propaganda und sonstigen unerwünschten Einflüssen.
usw.
Bei solchen UNESCO-Exekutivratsmitgliedern muss man eigentlich schon aus grundsätlichen Überlegungen aus der Organisation austreten.

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