Schulz startet in heisse Wahlkampfphase

  • Mehr Investitionen, mehr Gerechtigkeit, mehr Europa: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz startet mit einem Zehn-Punkte-Programm in die heisse Phase des Wahlkampfs. (Archiv)
    Mehr Investitionen, mehr Gerechtigkeit, mehr Europa: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz startet mit einem Zehn-Punkte-Programm in die heisse Phase des Wahlkampfs. (Archiv) (KEYSTONE/EPA/FRIEDEMANN VOGEL)
16.07.2017 | 12:33

DEUTSCHLAND ⋅ SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zieht mit einem Zehn-Punkte-Programm mit Schwerpunkten auf staatliche Investitionen, mehr Gerechtigkeit und eine Stärkung der Europäischen Union in die heisse Wahlkampfphase.

"Deutschland kann mehr", sagte Schulz bei der Vorstellung seiner Kernforderungen am Sonntag in Berlin. "Es gibt diejenigen, die auf die Zukunft warten. Wir wollen die Zukunft gestalten."

Das Papier baut auf dem Ende Juni vom SPD-Parteitag beschlossenen Wahlprogramm auf. Mit der zugespitzten Version hofft Schulz, den Umfragerückstand der Sozialdemokraten bis zur Bundestagswahl am 24. September aufzuholen.

Mehr Investitionen

Der SPD-Kanzlerkandidat will eine Investitionsverpflichtung für den Staat einführen, damit in den nächsten Jahren mehr Geld in schnelle Internetverbindungen, Strassen und Schienen, den Ausbau erneuerbarer Energien und Bildung fliesst. "Neben der Schuldenbremse brauchen wir eine Mindestdrehzahl für Investitionen", sagte Schulz bei der Veranstaltung im Willy-Brandt-Haus.

Ein Aktionsprogramm soll für gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland sorgen, vor allem über Fördermittel für strukturschwache Regionen. Mit Industrie und Handwerk will Schulz eine Investitionsallianz schmieden, damit diese die Herausforderungen der Digitalisierung besser meistern können.

Auch der Staat soll sich nach den Plänen des SPD-Kanzlerkandidaten auf den digitalen Wandel einstellen: Über ein so genanntes Deutschlandportal sollen Formalitäten über Onlineformulare "leicht und unbürokratisch" abgewickelt werden können.

Mehr Gerechtigkeit

Mehr Gerechtigkeit will Schulz mit einem Pakt für anständige Löhne, der Abschaffung von sachgrundlosen Befristungen und weniger prekären Beschäftigungsverhältnissen schaffen. In seinen Kernforderungen bekräftigte der SPD-Kanzlerkandidat auch sein Versprechen, Bildung in Deutschland von der Kita bis zur Hochschule und zum Meisterabschluss kostenfrei zu machen.

Eine nationale Bildungsallianz zwischen Bund und Ländern soll für eine bessere finanzielle Ausstattung von Schulen und bundesweit vergleichbare Standards sorgen. Diese wolle er "in den ersten 50 Tagen nach meinem Amtsantritt" schmieden, sagte Schulz.

Ausserdem verweist er in dem Kernprogramm auf das Rentenkonzept seiner Partei, das eine Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2030 auf dem jetzigen Stand von etwa 48 Prozent vorsieht. Bei den Steuern sollen vor allem Familien entlastet werden; der Bau oder Kauf eines Eigenheims soll durch ein Familienbaugeld finanziell unterstützt werden.

Mehr Europa

In der Europapolitik bereitet Schulz die Wähler darauf vor, dass Deutschland finanziell mehr leisten müsse. Die Eurozone soll ein eigenes Investitionsbudget bekommen und sich ohne ein Veto von EU-Staaten, die nicht dem gemeinsamen Währungsraum angehören, weiterentwickeln können.

Mit Blick auf die Verweigerungshaltung osteuropäischer Staaten bei der Verteilung von Flüchtlingen strebt der SPD-Kanzlerkandidat an, die europäische Finanzplanung als Solidarpakt zu gestalten. EU-Länder, die in wichtigen Fragen keine Solidarität zeigen, müssten demnach finanzielle Nachteile in Kauf nehmen.

Schulz bekräftigte seine Ablehnung des NATO-Ziels, den Militäretat bis 2024 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Dabei werden die Bundeskanzlerin und der US-Präsident in einem Atemzug genannt: Die SPD werde nicht zulassen, "dass mehr Wirtschaftswachstum zu mehr Ausgaben für Waffen führt, wie es Angela Merkel und Donald Trump wollen", heisst es in dem Kernprogramm. (sda/afp)

Kommentare
Kommentar zu: Schulz startet in heisse Wahlkampfphase
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geschrieben am 17.07.2017 08:27 | von Boris Kerzenmacher

Unter anderem M. Schulz: "Mit Blick auf die Verweigerungshaltung osteuropäischer Staaten bei der Verteilung von Flüchtlingen"
Osteuropas Staaten wollen keine Flüchtlinge, und die Flüchtlinge wollen aufgrund der mickrigen Sozialleistungen nicht in die osteuropäischen Länder. Durch Osteuropa sind viele angebliche "Flüchtlinge" nämlich schon durchgereist.
Vielleicht kommt das auch irgendwann einmal bei M. Schulz und seiner SPD an.

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Kommentar zu: Schulz startet in heisse Wahlkampfphase
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geschrieben am 17.07.2017 10:31 | von Michele Vellini

Auch für osteuropäische Staaten wie Ungarn oder Polen kann es nicht nur Zückerchen und Geld aus der EU geben, denn gerade diese Länder gehören zu den grössten Empfänger- und Nutzniesserstaaten innerhalb der EU. In einer Gemeinschaft hat aber jeder Rechte und Pflichten, denn das macht unsere Demokratie aus und genau das verweigern diese Länder und Sie heissen das auch noch gut, nur weil die Regierungen dieser Länder aus Rechtspopulisten bestehen. Leider schaffen es diese Rechtspopulisten nicht einmal, das eigene Volk halbwegs vernünftig zu versorgen, denn sie gebaren sich in Ihren Ländern wie kleine Diktatoren und wirtschaften lieber in den eigenen Sack. Kein Wunder ist von solchen Politikern wie Orban nichts zu erwarten. Vielleicht kommt das eines Tages auch bei Ihnen noch an.

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