Offensive auf Altstadt von Mossul gestartet

  • Die irakische Stadt Mossul ist gezeichnet vom Krieg - hier ein Blick auf zerstörte Häuser in West-Mossul. (Archiv)
    Die irakische Stadt Mossul ist gezeichnet vom Krieg - hier ein Blick auf zerstörte Häuser in West-Mossul. (Archiv) (Keystone/AP/BRAM JANSSEN)
18.06.2017 | 09:05

IRAK ⋅ Die irakische Armee hat die entscheidende Phase ihres Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Mossul begonnen. Im Morgengrauen begannen Soldaten damit, in die engen Strassen der Altstadt vorzurücken, wie die Armee am Sonntag mitteilte.

Der Verlust der Grossstadt würde für die Dschihadisten das Ende des irakischen Teils ihres "Kalifats" bedeuten, das sie 2014 nach der Eroberung weiter Teile Syriens und des Iraks verkündet hatten.

"Die Sicherheitskräfte haben im Morgengrauen damit begonnen, Teile der Altstadt zu stürmen", sagte ein irakischer Offizier der Nachrichtenagentur AFP. Bereits in der Nacht hatte die US-geführte Anti-IS-Koalition Luftangriffe geflogen.

Am Morgen waren Schüsse aus Maschinengewehren zu hören, Rauch stieg über der Altstadt auf. An dem Einsatz sind neben den Streitkräften auch Anti-Terror-Einheiten und die Bundespolizei beteiligt, wie Armeekommandant Abdulamir Jarallah erklärte.

Heftige Kämpfe

Mit der Offensive zur Rückeroberung der Altstadt von den Dschihadisten habe "die letzte Episode der Daesh-Show" begonnen, sagte Abdulghani al-Assadi, ein Kommandant der irakischen Anti-Terror-Einheiten. Daesh ist der arabische Name für den IS.

"Die Kämpfe sind heftig, weil es ihre letzte Hochburg ist", sagte al-Assadi. Die IS-Dschihadisten könnten "nirgendwohin fliehen", da sie von drei Seiten von der irakischen Armee und an der vierten vom Fluss Tigris umgeben seien.

Die Rückeroberung der dicht besiedelten Altstadt aus den Händen des IS gilt wegen der Enge des Viertels und der vielen dort festsitzenden Zivilisten als besonders schwierig. "Unsere Kräfte sind zu Fuss vorgerückt, weil die Strassen so eng sind", sagte al-Assadi. "Es gibt keinen Platz, um unsere Fahrzeuge zu manövrieren und es gibt viele Zivilisten".

"Jetzt kommt eine schreckliche Zeit auf die rund 100'000 Menschen zu, die noch in der Altstadt von Mossul eingeschlossen sind", erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Die Menschen liefen Gefahr, in die bevorstehenden schweren Strassenkämpfe verwickelt zu werden.

Den Vereinten Nationen zufolge hält der IS noch mehr als 100'000 Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" in der historischen Altstadt fest. Wie viele IS-Kämpfer sich in der Stadt aufhalten, ist ungewiss.

Seit 2014 in der Hand des IS

Mossul ist die zweitgrösste Stadt im Irak. Der IS hatte die Metropole 2014 überrannt. In den von ihm eroberten Gebieten im Irak und Syrien riefen die Dschihadisten ein "Kalifat" aus. Die irakischen Truppen begannen im Oktober mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition mit der Rückeroberung von Mossul. Der Ostteil der Stadt wurde im Januar zurückerobert, einen Monat später folgte der Einsatz im Westteil der Stadt.

Seit der Kampf um die Rückeroberung begonnen hat, wurden etwa 862'000 Menschen aus Mossul vertrieben oder sind geflohen. Rund 195'000 von ihnen sind seitdem jedoch wieder zurückgekehrt, vor allem in den befreiten Ostteil der Stadt.

Im historischen Zentrum von Mossul liegt die Al-Nuri-Moschee. Sie hat für den IS besonders grosse Bedeutung, denn dort war IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi im Juli 2014 das einzige Mal öffentlich aufgetreten. Dabei hatte er das "Kalifat" des IS in Teilen des Irak und im benachbarten Syrien proklamiert und Muslime aufgerufen, seinen Anweisungen Folge zu leisten.

Sollte die Stadt wieder komplett an die irakischen Truppen zurückfallen, wäre dies faktisch das Ende des Kalifats im Irak. Im benachbarten Syrien läuft derzeit eine Offensive auf Rakka, das als Hauptstadt des IS gilt. (sda/afp/reu)

Kommentare
Kommentar zu: Offensive auf Altstadt von Mossul gestartet
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geschrieben am 18.06.2017 14:18 | von Boris Kerzenmacher

Seit dem Sturz von S. Hussein ist die Bevölkerung im Irak, trotz Auswanderung und Krieg, von 25 Millionen auf 35 Millionen Menschen gestiegen. Es kommen jährlich etwa eine Million Neugeborene dazu.
Syrien hatte 1917 etwa 2,5 Millionen Einwohner, heute trotz Krieg ca. 23 Millionen.
Bei dieser Bevölkerungsexplosion kann man davon ausgehen, dass diese Region zukünftig noch wesentlich grössere Probleme bekommen wird.

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