Merkel zu Privataudienz bei Papst Franziskus

  • Austausch der Geschenke nach der Audienz im Vatikan: Papst Franziskus (r.) überreicht der deutschen Kanzlerin Merkel (l.) unter anderem eine Medaille mit einem Olivenzweig.
    Austausch der Geschenke nach der Audienz im Vatikan: Papst Franziskus (r.) überreicht der deutschen Kanzlerin Merkel (l.) unter anderem eine Medaille mit einem Olivenzweig. (Keystone/EPA GERMAN FEDERAL GOVERNMENT/GUIDO BERGMANN / GERMAN FEDERAL GOVERNMENT HANDOUT)
17.06.2017 | 11:43

VATIKAN - DEUTSCHLAND ⋅ Papst Franziskus hat Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel in ihrem Einsatz für den Frieden gestärkt. "Für die Arbeit, die Sie für den Frieden tun", sagte Franziskus nach der Privataudienz am Samstag in Rom und überreichte ihr eine Medaille mit einem Olivenzweig.

Es war bereits die vierte Audienz, zu der das katholische Kirchenoberhaupt die CDU-Politikerin im Vatikan empfing. "Danke, dass ich wieder hier sein kann", sagte Merkel lächelnd zu Franziskus bei der Begrüssung.

Nach der rund 40-minütigen Unterredung überreichte Merkel dem Pontifex Süssigkeiten aus seiner Heimat Argentinien, die sie vor wenigen Tagen besucht hatte: den karamellartigen Brotaufstrich Dulce de Leche und Alfajores, mit Schokolade umhüllte Kekse. "Das kennen Sie ja", sagte sie. Das katholische Kirchenoberhaupt schenkte Merkel neben der Medaille drei seiner Schreiben.

Thema G20

Im Mittelpunkt der Gespräche dürften die Schwerpunkte des G20-Gipfels in Hamburg Anfang Juli gestanden haben, der von Merkel geleitet wird. Fortschritte bei zentralen Themen wie Freihandel, Klimaschutz, Migration sowie beim Kampf gegen Armut sind wegen der Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump fraglich.

Die Protestantin Merkel dürfte sich vom Papst Rückendeckung erwartet haben: beide stehen bei vielen Themen inhaltlich eng beieinander.

Mit dem Empfang der Kanzlerin brach das katholische Kirchenoberhaupt mit einem ungeschriebenen Gesetz im Vatikan: Eigentlich werden keine Spitzenpolitiker im Wahlkampf empfangen. Der Kirchenstaat ist in solchen Fällen um Neutralität bemüht.

Lange Tradition

Merkels Begegnungen mit dem Papst haben eine lange Tradition. Schon im Mai 2003 reiste die evangelische Pfarrerstochter als CDU-Vorsitzende nach Rom, um von Johannes Paul II. in dessen Privatbibliothek empfangen zu werden.

Zwei Jahre später vertrat sie die deutsche Politik bei der Amtseinführung Joseph Ratzingers als Papst Benedikt XVI. in Rom - neben Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Neun Monate nach ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin reiste Merkel im August 2006 zum "Antrittsbesuch" in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo. Die Audienz bei Benedikt XVI., den sie 2005 auch am Rande des Weltjugendtags in Köln getroffen hatte, dauerte rund 45 Minuten. Weitere Vier-Augen-Gespräche folgten bei Benedikts Deutschland-Besuchen 2006 und 2011.

Papst Franziskus empfängt die Kanzlerin nach 2013, 2015 und 2016 nun bereits zur vierten Privataudienz im Vatikan. Zuletzt war Merkel im Mai 2016 anlässlich der Verleihung des Karlspreises an Franziskus nach Rom gereist. Die Stadt Aachen würdigte damals seine Verdienste um Europa. (sda/dpa)

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