• Gedenken an den beim Anschlag getöteten Polizisten.
    Gedenken an den beim Anschlag getöteten Polizisten. (KEYSTONE/EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)
21.04.2017 | 06:09

IS-Schreiben bei Angreifer von Paris


TERRORISMUS - FRANKREICH ⋅ Beim erschossenen Angreifer von den Pariser Champs Elysées ist ein Schreiben mit Verweis auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden worden. Auf dem Zettel werde der IS verteidigt, verlautete am Freitag aus Ermittlerkreisen.

Im Auto des Angreifers, eines 39-jährigen Franzosen namens Karim Cheurfi, wurden demnach ausserdem ein Koran und ein Zettel mit den Adressen eines Polizeikommissariats und des Sitzes des Inlandsgeheimdienstes DGSI gefunden.

Der Mann hatte am Donnerstagabend auf den Champs Elysées einen Polizisten erschossen und zwei weitere Beamte sowie eine deutsche Passantin verletzt. Er wurde schliesslich selbst erschossen. Der IS nahm die kurz vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich verübte Attacke für sich in Anspruch.

Französische Ermittler nahmen drei Personen aus dem familiären Umfeld des getöteten Angreifers in Polizeigewahrsam, um sie zu vernehmen.

Bereits verurteilt

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Ermittler, der Angreifer sei bereits in der Vergangenheit wegen eines Angriffs auf Polizisten verurteilt worden. Er habe im Jahr 2005 eine 15-jährige Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags erhalten.

Im Februar sei er festgenommen worden, weil er die Absicht gezeigt habe, Polizisten zu töten - er sei aber mangels ausreichender Beweise wieder freigelassen worden.

Cazeneuve: Nicht einschüchtern lassen

Premierminister Bernard Cazeneuve rief die Franzosen auf, sich nicht vom Terror einschüchtern zu lassen. "Nichts darf diesen für unser Land fundamentalen demokratischen Augenblick beeinträchtigen", sagte er am Freitag in Paris. "Es ist unsere Aufgabe, der Angst, der Einschüchterung und der Manipulation, die den Feinden der Republik in die Hände spielen würde, nicht nachzugeben."

Der Anschlag überschattet den Wahlkampf-Endspurt vor dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen kritisierte die Anti-Terror-Politik scharf. Seit zehn Jahren sei unter den Regierungen der Konservativen und der Sozialisten alles getan worden, damit Frankreich den "Krieg" gegen den Terrorismus verliere.

Premierminister Cazeneuve kritisierte sie dafür: "Sie versucht schamlos, die Angst und die Emotion zu rein politischen Zielen auszuschlachten." Le Pens Partei Front National habe in den vergangenen Jahren gegen alle Anti-Terror-Gesetze gestimmt, welche die sozialistische Regierung eingebracht habe.

Auch den konservativen Kandidaten François Fillon kritisierte Cazeneuve. Dessen Forderung nach Einstellung von 10'000 neuen Polizisten sei nicht glaubwürdig, weil in seiner Zeit als Premierminister (2007 bis 2012) 13'000 Stellen bei der Polizei abgebaut worden seien.

Tausende Polizisten schützen Wahl

Cazeneuve sagte nach einem Treffen des Sicherheitskabinetts im Élyséepalast, in den kommenden Tagen würden mehr als 50'000 Polizisten eingesetzt, um die Wahl zu schützen.

Auch Spezialeinheiten der Polizei würden in Alarmbereitschaft versetzt. Im Land gilt nach einer beispiellosen Terrorserie mit mehr als 230 Toten immer noch der Ausnahmezustand. (sda/afp/dpa)

Kommentare
Kommentar zu: IS-Schreiben bei Angreifer von Paris
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geschrieben am 21.04.2017 21:45 | von zombie1969

Ein Teil der Strategie des Daesh (IS) ist erklärtermassen, dass er jeden, der sich irgendwie dazu berufen fühlen mag, dazu aufruft, in seinem Namen Anschläge im Westen zu verüben.
Ein direkter Kontakt zwischen dem Täter und der eigentlichen Organisation ist dabei gar nicht nötig, damit der Täter vom Daesh als Teil ihrer Bewegung anerkannt wird.
Daher wird es kein typisches Tatmuster des Daesh geben, das es erlauben würde, die Zugehörigkeit eines Anschlags zum Daesh zweifelsfrei auszuschliessen. Denn jeder selbstberufene, autonom handelnde Attentäter kann genau so vorgehen, wie er es für richtig hält. Wenn ein solcher Täter also meint, in einem Schreiben politische Forderungen stellen zu wollen, dann wird ihn niemand davon abhalten.

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Kommentar zu: IS-Schreiben bei Angreifer von Paris
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geschrieben am 22.04.2017 11:33 | von frieda

Der IS kann aber auch jede Gewalttat, die terrorähnlich ist, als IS-Anschlag für sich beanspruchen. Wie in Paris, wo der IS ja auch gleich noch jemanden als Täter bezichtigten, der a) nicht einmal am Totaort war und sich b) in Belgien der Polizei stellte, um abklären zu lassen, dass er nichts mit dem Pariser Anschlag zu tun habe. Hingegen hat der tatsächliche Schütze schon ganz ohne IS-Verbindungen jahreöang wegen versuchten Mordes an Polizisten im Knast gesessen. Und die Polizei hatte schon eine ganze Weile Hinweise darauf bekommen, dass der Täter wieder vorhabe, Polizisten zu ermorden.

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