Juncker ist Erdogans Drohungen entwachsen

  • Den Drohungen entwachsen: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.
    Den Drohungen entwachsen: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. (KEYSTONE/EPA/OLIVIER HOSLET)
19.03.2017 | 05:04

EU ⋅ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erwartet nach dem Brexit keine weiteren Austritte aus der EU, sondern vielmehr einen Ausbau der Union. "Am Beispiel Grossbritannien werden alle sehen, dass es sich nicht lohnt auszutreten", sagte er der "Bild am Sonntag".

Die übrigen Mitgliedstaaten würden stattdessen das Eheversprechen mit der Europäischen Union erneuern, sagte Juncker. Bei einem Gipfeltreffen am kommenden Samstag in Rom wollen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten ohne Grossbritannien eine Erklärung verabschieden, die die Richtung für die Arbeit in den kommenden zehn Jahren vorgeben soll.

Anlass des Gipfels ist der 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge, mit denen die Grundlage für die EU gelegt wurde. Trotz aller Krisen ist Juncker überzeugt, dass der Staatenbund noch mindestens weitere 60 Jahre existiert. "Die EU wird dann sicher mehr als 30 Mitglieder haben", sagte Juncker.

Kritik an "Teilzeiteuropäern"

Wenige Tage vor dem Geburtstagsgipfel kritisierte Juncker nationalstaatliche Tendenzen in der EU. Er habe den Eindruck, dass es immer weniger Vollzeiteuropäer und immer mehr Teilzeiteuropäer gebe. "Die Teilzeiteuropäer nehmen von Europa das, wovon sie denken, dass es ihnen zustünde. Sie tragen aber nichts dazu bei, dass es überhaupt etwas zu verteilen gibt."

Er erwarte weitere Beitritte zur EU, wenn auch nicht mehr in seiner bis 2019 laufenden Amtszeit. Zurzeit erfülle keiner der Kandidaten die Bedingungen. Was den Beitritt der Türkei betreffe, so werde dieser nicht am mangelnden Willen der EU-Mitglieder scheitern, "sondern an der Lustlosigkeit der Türken, europäische Standards einzuführen".

Die Drohungen der Türkei mit einem Ende des EU-Flüchtlingspakts hält Juncker für unglaubwürdig. "Die Türkei wird dieses Abkommen nicht aufkündigen, auch wenn mir Erdogan mehrfach damit gedroht hat", sagte Juncker. "Ich bin diesen Drohungen entwachsen."

Nicht im Interesse der Türkei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und andere türkische Politiker hatten zuletzt aus Ärger über die EU gedroht, die vor einem Jahr geschlossene Vereinbarung platzen zu lassen. Juncker betonte indes: "Es ist nicht im Interesse der Türkei, dass vor der türkischen Küste Schmugglergangs und Banditen das Heft des Handelns in die Hand bekommen."

Das im März 2016 zwischen EU und Türkei vereinbarte Flüchtlingsabkommen sieht vor, dass Ankara alle auf den griechischen Inseln eintreffenden Flüchtlinge zurücknimmt. Für jeden so abgeschobenen Syrer soll die EU einen syrischen Flüchtling aus der Türkei aufnehmen.

Ausserdem sagte die EU Milliarden-Zahlungen für die Versorgung der syrischen Flüchtlinge in der Türkei zu. Ankara wurde auch in Aussicht gestellt, den Türken rascher Visa-Freiheit zu gewähren, doch gibt es in dieser Frage seit Monaten keine Fortschritte. (sda/apa/reu/dpa/afp)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was ist das Gegenteil von Gut??
 

Meistgelesen

Eine Aufnahme des Täters kurz vor seiner Tat: Er trug eine grüne Windjacke und eine schwarze Hose. Ausserdem hatte er eine grosse schwarze Tasche bei sich, in welcher er womöglich die Motorsäge transportierte.
Panorama: 24.07.2017, 11:34

Bluttat in Schaffhausen: Suche nach Täter läuft auf Hochtouren

Ein 51-jähriger Mann hat am Montag in Schaffhausen mit einer Kettensäge die Büros der CSS gestürmt.
Weil es Nebel hatte, konnte der verletzte Bub nicht mit dem Rega-Helikopter geborgen werden.
Unfälle & Verbrechen: 24.07.2017, 10:42

Aufwendige Rettungsaktion für Bub in Eishöhle

Ein Siebenjähriger ist am Sonntag im Alpstein beim Abstieg in eine Eishöhle abgerutscht und hat ...
Polo Hofer ist am Samstag im Alter von 72 Jahren gestorben.
Panorama: 24.07.2017, 19:55

Polo Hofer ist tot

Der Berner Mundart-Rocksänger Polo Hofer ist tot. Mit 72 Jahren starb er am Samstagabend daheim ...
Hin- und hergerissen: Trainer Giorgio Contini beim Saisonstart in Lausanne.
FC St.Gallen: 24.07.2017, 14:15

Was das Startspiel über die Saison aussagt

Kein Sieg, keine Niederlage. Kein brillanter Auftritt, aber auch kein Abschiffer.
Köbi Dietrich, bevor er sich mit Hemd, Fliege und weissen Handschuhen für die Arbeit als Butler rüstet.
Ostschweiz: 24.07.2017, 09:40

Vom Bauer zum Butler

Köbi Dietrich ist Butler im Null-Stern-Hotel in Gonten.
Bei der Suche nach der Waren-Ausgabe auf Abwege gekommen: Ein Autofahrer beim Eingang zum "Tagblatt".
Unfälle & Verbrechen: 24.07.2017, 15:11

Auf der Treppe statt an der Rampe

Am Montagvormittag hat sich der Kunde eines Discounters verfahren: Statt an der Rampe der ...
Beim FC St.Gallen dürfte es diese Saison zahlreiche Duelle um einen Stammplatz geben, beispielsweise zwischen Peter Tschernegg (rechts) und Stjepan Kukuruzovic (zweiter von rechts).
Gegentribüne: 24.07.2017, 19:31

Pärchenfussball beim FC St.Gallen

Die zehnte Saison des FC St.Gallen in der Arena soll etwas Besonderes werden.
Bauer, ledig, war früher: Medard Keller hat Patricia geheiratet und hat mit ihr Katharina (links) und Viktoria.
Gossau: 24.07.2017, 07:44

Sie lassen ihr Glück nicht mehr los

Patricia und Medard Keller aus Bernhardzell empfehlen jedem ledigen Bauer, in «Bauer, ledig, ...
In den Gemeinden Brittnau AG und Kollbrunn ZH sind am Montag Postfilialen überfallen worden. (Symbolbild)
Panorama: 24.07.2017, 16:13

Zwei Poststellen überfallen

Gleich zwei Poststellen in den Kantonen Zürich und Aargau sind am Montag Opfer von Kriminellen ...
Die FDP schickt keinen Kandidaten für die Nachfolge des St.Galler CVP-Stadtrats Nino Cozzio ins Rennen.
St.Gallen: 24.07.2017, 12:18

Cozzio-Nachfolge: FDP verzichtet auf Kandidatur

Die St.Galler FDP verzichtet darauf, ins Rennen um die Nachfolge von CVP-Stadtrat Nino Cozzio ...
Zur klassischen Ansicht wechseln