Frankreich wählt: Wer darfs denn sein?

  • Illustre Runde: (v.l.) François Fillon, Emmanuel Macron, Jean-Luc Mélenchon, Marine Le Pen und Benoît Hamon.
    Illustre Runde: (v.l.) François Fillon, Emmanuel Macron, Jean-Luc Mélenchon, Marine Le Pen und Benoît Hamon. (PATRICK KOVARIK (AP AFP POOL))
21.04.2017 | 13:24

VON GANZ LINKS BIS GANZ RECHTS ⋅ Macron? Le Pen? Fillon? Mélenchon? Hamon? Am Sonntag entscheidet sich, wer ins Finale der französischen Präsidentschaftswahlen einzieht. Die fünf Bewerber im Überblick.

Emmanuel Macron Der 39-Jährige gilt als Phänomen im französischen Wahlkampf. Der Parteilose tritt mit sozial- und wirtschaftsliberalen Positionen an und versteht sich als Vertreter der politischen Mitte.

Emmanuel Macron. (THOMAS SAMSON / POOL (EPA))
Der ehemalige Investmentbanker und frühere Wirtschaftsminister inszeniert sich als Erneuerer, der Links-Rechts-Kategorien durchbrechen will. Im Wahlkampf warb er für umfassende Reformen des Arbeitsmarktes und des Rentensystems. Das moderne Gesicht der Wahlkampagne ist er auch aus pri­vaten Gründen: Mit Homestorys in ­People-Magazinen schlachtet Macron seine unkonventionelle Ehe mit seiner früheren Französischlehrerin, der 24 Jahre älteren Brigitte Trogneux, glamourös aus. Nicht zuletzt deshalb wird der juvenile Politiker auch als «französischer Kennedy» bezeichnet und stösst gerade bei jungen Wählern auf Zuspruch.

Macron kommt in Umfragen auf 23 Prozent und gilt wenige Tage vor der Wahl als Favorit im Rennen um das Präsidentenamt. Wegen seiner proeuropäischen Äusserungen – «Ich habe Europa im Herzen», so einer seiner Wahlslogans – wird ihm auch das Wohlwollen Brüssels und Berlins attestiert. (isd)

Marine Le Pen. (Michel Euler (AP))
Marine Le Pen Die Rechtsextremistin hat geschafft, was ihrem Vater und Vorgänger als Parteichef des Front National, Jean-Marie Le Pen, nie gelungen ist: Mit einer vergleichsweise moderaten Rhetorik hat die 48-Jährige die rechtsradikale Programmatik ihrer Partei salonfähig ­gemacht und auch Wähler aus der bürgerlichen Mitte mobilisiert. Le Pen distanziert sich zwar von den notorischen Provokationen ihres Vaters, der unter ­anderem wegen Holocaust-Leugnung verurteilt worden ist, steht aber selbst ebenfalls für eine extrem restriktive Immigrations- und Integrationspolitik, radikalen Protektionismus sowie den Ausstieg aus der Europäischen Union. Le Pens Wahlprogrammatik wird bisweilen als sozial-nationalistisch bezeichnet: Mit sozialen Reformversprechen spricht die FN-Parteichefin auch ein traditionell linkes Wählermilieu an.

Aktuelle Umfragen schreiben der Globalisierungsgegnerin Le Pen 22 Prozent der Stimmen gut. Diese guten Umfragewerte sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen: Eine Anfang Jahr veröffentlichte Statistik zeigte, dass mehr als 50 Prozent der Franzosen Le Pen für eine Gefahr für die Demokratie halten. (isd)

François Fillon. (Michel Euler (AP))
François Fillon Neben Marine Le Pen ist der Konservative François Fillon der zweite unter den diesjährigen Präsidentschaftskandidaten, gegen den die französische Justiz ermittelt. Hintergrund ist «Penelope-Gate», die Affäre um die Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau im Parlament. Trotz anhaltender Kritik an seinem Umgang mit der Affäre bestand Fillon auf eine Fortsetzung seiner Kandidatur; alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe weist der 63-Jährige zurück.

Der politisch erfahrene Fillon, der von 2007 bis 2012 als Ministerpräsident unter Nicolas Sarkozy diente, steht für eine konservative Innenpolitik und eine restriktive Einwanderungspolitik sowie wirtschaftsliberale Reformen. Im Wahlkampf scheute der Republikaner auch nicht unpopuläre Forderungen wie die Abschaffung der 35-Stunden-Woche, die Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 65 Jahre und die Verschlankung des öffentlichen Dienstes. In einer Fernsehdebatte definierte Fillon sich als zukünftiger «Präsident der nationalen Sanierung». Laut aktuellen Umfragen kommt Fillon im ersten Wahlgang auf rund 20 Prozent der Stimmen. (isd)

Jean-Luc Mélenchon. (MICHEL SPINGLER (AP))

Jean-Luc Mélenchon In den Umfragen stieg der Kapitalismuskritiker Jean-Luc Mélenchon zuletzt zum Shootingstar des Wahlkampfes auf und hat damit für Nervosität an den Märkten gesorgt: Der 65-Jährige ist ausser Marine Le Pen der einzige Eurogegner im Kreise der fünf aussichtsreichsten Kandidaten. Im Falle seines Sieges, so kündigte der Linkskandidat und früherer Sozialist an, werde er die EU-Verträge neu verhandeln. Mélenchons Wahlprogramm liest sich insgesamt wie der Gegenentwurf zu Fillons Vorschlägen: So will er die 32-Stunden-Woche einführen und plädiert für einen Höchstbesteuerungssatz von 100 Prozent sowie ein 100 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm.

Mélenchons plötzliche Popularität erklärt sich nicht zuletzt aufgrund seiner leidenschaftlichen Kritik am amtierenden Präsidenten François Hollande.

19 Prozent könnten aktuellen Umfragen zufolge am Sonntag für den abtrünnigen Sozialisten stimmen. Eine realistische Wahlchance im zweiten Wahlgang hätte Mélenchon wohl aber nur, sollte es tatsächlich zum Schreckensszenario kommen: einer Stichwahl zwischen Mélenchon und Le Pen. (isd)

Benoît Hamon. (LIONEL BONAVENTURE / POOL (EPA AFP POOL))
Benoît Hamon Auch der frühere Bildungsminister Benoît Hamon verdankt seine Kandidatur seiner scharfen Kritik an Präsident François Hollande. Gemeinsam mit Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte Hamon Ende 2014 das Scheitern des zweiten Kabinetts von Manuel Valls ausgelöst. Hamon ging als Überraschungssieger aus den Vorwahlen der regierenden Sozialisten hervor. Als Vertreter des linken Parteiflügels macht sich der ehemalige Bildungsminister für sozialistische Positionen wie die Einführung eines Grundeinkommens und einer Unternehmenssteuer stark.

Trotz Hamons deutlichem Vorsprung vor seinem Kontrahenten, dem früheren Regierungschef Manuel Valls, bei den Vorwahlen der Sozialisten, geht der 49-Jährige als Aussenseiter ins Rennen um die Präsidentschaft. Laut aktuellen Umfragen kommt Hamon auf rund acht Prozent und dürfte somit chancenlos sein. Womit sein Gegenkandidat Valls recht behalten hätte: Dieser hatte im Vorfeld der Vorwahlen davor gewarnt, dass eine Einigung auf Hamon als Kandidat die «sichere Niederlage» für die Sozialisten bedeute. (isd)
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