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Wein hat Zapfen: Darf ich das ansprechen?

Ratgeber

Kürzlich ist es mir passiert, dass bei einer Einladung im privaten Kreis schlechter Wein (Zapfengeschmack) serviert wurde. Der Wein wurde nicht zur Probe gereicht, sondern direkt ins Glas eingeschenkt. Wie soll ich mich verhalten? Darf ich den Gastgeber darauf aufmerksam machen? Und wie im Restaurant?
05.02.2018 | 08:36
Michèle Ségouin

Trotz hoch entwickelter Herstellungsmethoden ist und bleibt Wein ein Naturprodukt: Dass gelegentlich unerwünschte Irritationen hinsichtlich Geruch, Geschmack oder Optik auftreten, wird zwar immer seltener, ist jedoch nicht minder ungewöhnlich.

Weinfehler können aus unterschiedlichen Gründen in Erscheinung treten. Auf dem langen Weg vom Rebberg bis ins Glas durchlaufen die Trauben viele Prozesse, die alle ihre Spuren hinterlassen können. Unvorteilhafte Lagerungs- oder Lichtverhältnisse, aber auch massive Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen beim Transport können dem Wein schaden. Letzteres zeigt sich gerne in Form von Kristallbildungen bei Weissweinen. Diese verfälschen zwar nicht das Aroma, können aber den Trinkgenuss an sich massiv trüben.

Die umgangssprachlich oft als «Zapfen» umschriebene Irri­tation zählt sicherlich zu den häufigsten Argumenten, weshalb die Qualität eines Weines beanstandet wird. Dass der Wein ein Bouquet präsentiert, das eher an einen muffigen Teppich als an Johannisbeeren erinnert, ist jedoch keineswegs die Schuld des Gastgebers. Doch nicht nur Korkton kann den Weingenuss beeinträchtigen. Oftmals erkennen erfahrene Probanden einen Fasston, der sich durch einen modrigen bis schimmligen Geschmack oder Duft kennzeichnet. Eine mangelnde Fasshygiene im Keller führt dazu, dass der gesamte Inhalt eines Barriques (Holzfass, in welchem edler Wein ausgebaut wird) fehlerhaft sein kann. Auch dies ist eine Irritation, die keineswegs dem Gastgeber angelastet werden kann. Fassfehler lassen sich nicht – wie oft angenommen wird – mittels Dekantierens ausmerzen.

Idealerweise serviert man nach dem Öffnen einen Probeschluck, um einen Weinfehler im Glas auszuschliessen. Da sich die Inhaltsstoffe allerdings erst im Zusammenspiel mit Sauerstoff richtig entfalten, empfiehlt es sich, dem Wein etwas Zeit zu geben. Ein – wenn auch gewöhnungsbedürftiger und wohl nicht bei jedem Anlass praktikabler – Tipp für den Zweifelsfall ist die Beimischung von kohlensäurehaltigem Wasser: Die Kohlensäure bewirkt, dass der Korkton verstärkt wahrnehmbar ist.

Fehler diskret ansprechen

Man sollte keine falschen Hemmungen haben und darf den Gastgeber diskret darauf hinweisen, dass der Wein allenfalls einen Fehler hat. Auch im Restaurant. Geben Sie sich und dem Wein aber etwas Zeit, um sich einzustimmen. Sollte nach rund zehn Minuten (immer noch) ein ungewöhnlich muffiges Bouquet erkennbar sein, teilen Sie dies dem Gastgeber, den Mitarbeitenden oder dem Sommelier des Hauses ruhig mit. Interne Schulungen sensibilisieren die Belegschaft, in solchen Situationen lösungsorientiert zu handeln. Warten Sie nicht bis zum Schluss: In den meisten Fällen kann ein gastronomisches Unternehmen, aber auch der private Käufer einen fehlerhaften Wein via Vertreiber/Weinhandlung retournieren, Voraussetzung ist allerdings, dass der Unglückswein noch in der Flasche und nicht bereits verköstigt ist.

Michèle Ségouin

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