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Warum ändern Primeln im Garten die Farbe?

Ratgeber

Ich pflanze immer wieder tiefrote und blaue Primeln in den Garten, um mit der Zeit eine bunte Frühlingswiese zu bekommen. Doch seltsamerweise zeigen alle Primeln im Rasen nach einer gewissen Zeit nur noch Rosa- bis Lilatöne. Warum ist das so? Könnte man etwas dafür tun, dass die Pflanzen die Farbe behalten?
07.04.2018 | 08:49
Othmar Ziswiler

Im Frühjahr sind in gut sortierten Gartencentern und Gärtnereien Primeln in den buntesten Farben und ungewöhnlichsten Zeichnungen erhältlich. Die hübschen Frühblüher werden in ausgezeichneter Qualität angeboten. Diese Pflanzen sind am ehesten an unser Klima angepasst und können, nachdem Sie sie vorsichtig abgehärtet und somit an die Outdoorbedingungen gewöhnt haben, problemlos ins Freiland ausgepflanzt werden – beispielsweise an den Rand einer halbschattigen Wiese mit genügend Bodenfeuchtigkeit. Idealerweise gefällt es den «ausgewilderten» Pflanzen an diesen Standorten, und sie bilden Samen und breiten sich aus. Jetzt aber warten Über­raschungen auf Sie.

Heimische Art: Kissenprimel

Als heimische Wildart ist bei uns die Kissenprimel (Primula vulgaris) weit verbreitet. Sie blüht in schwefelgelben Kissen, am liebsten im Halbschatten oder lichten Schatten vor Sträuchern und Hecken.

Die Primeln, die als Frühlingsblumen von den Zierpflanzengärtnern und Grossverteilern verkauft werden, sind meistens Kreuzungen aus der Kissenprimel und ihren Unterarten, der Echten Schlüsselblume (Primula veris) und der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior). Wenn sie sich versamen, blühen die Kinder oft weiss oder gelb.

Dominante Karnevalsprimel

Da es in Ihrem Rasen aber hellrosa-lila blüht, stammen ihre Primeln vermutlich von Kreuzungen mit der sogenannten Karnevalsprimel (Primula vulgaris subsp. sibthorpii) ab, die bunt gemischt blüht, von Rosa über Rot und Purpur bis hin zu Gelbtönen oder reinem Weiss. Ihre Heimat ist das östliche Balkangebiet, doch bei uns wird sie schon seit langer Zeit in Kulturen gehalten. Es scheint, als seien die Farben der Karnevalsprimeln über das Gelb der Kissenprimel dominant. Deswegen tauchen Rot und Rosa in den Sämlingen wieder auf – allerdings verblasst.

Dass die Blüten der Folge­generation(en) weniger intensiv gefärbt sind, dagegen können Sie leider nichts tun. Gemäss den Mendel’schen Vererbungsgesetzen kann das Erscheinungsbild – hier also die Blütenfarbe – der Folgegeneration ein völlig anderes sein als das der Eltern. Liegen Ihnen die satten Farben der blauen und tiefroten Primeln besonders am Herzen und wollen Sie sie erhalten, müssen Sie diese Primeln durch Teilung vermehren, also indem Sie den Elternstock in kleinere Einzelpflanzen aufteilen und diese im Garten verstreut einpflanzen.

Auch Blassheit hat ihren Reiz

Wenn es Sie jedoch nicht stört, dass es in Ihrer Wiese etwas «blasser» blüht als erwartet: Schneiden Sie die Samenstände nicht ab und lassen Sie die Pflanzen absamen. Auch mit dem ersten Rasenschnitt sollten Sie warten, bis wirklich alle Blüten verblüht sind und der braune Fruchtstand aufgerollt ist. Und wenn die hübschen Primeln dann erst einmal überall in der Wiese ihre hellrosa, zartgelben und weissen Blüten entfalten, wissen Sie: Jetzt hat der Frühling begonnen.

Othmar Ziswiler

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