«TATORT»

Tollwütiges Drehbuch

04.02.2018 | 05:17

Das Setting des elften «Tatorts» aus Dortmund ist beeindruckend: Gedreht wurde im Gefängnis Sudenburg in Magdeburg, das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und 2013 stillgelegt wurde. Und wie der Westdeutsche Rundfunk schreibt, war die Resonanz auf die Ausschreibung nach Komparsen riesig: Gesucht hatte man «markante Typen jeden Alters, Männer mit Tattoos, Türstehertypen, Bodybuilder». Mit diesem Wissen macht es vielleicht etwas mehr Spass, diesen Krimi anzuschauen.

Denn die mit «Tollwut» betitelteFolge macht ihrem Namen alle Ehre: Unter Verwirrtheit leidet zuletzt, wer sich mit dem tödlichen Tollwutvirus infiziert hat. Und reichlich verwirrt ist man auch als Zuschauer, will man die Story rund um Messerstecherei, Ratten, Feuer und Tollwutvirus in der Justizvollzugsanstalt Dortmund schlüssig nachvollziehen.

Eigentlich müsste man diesen «Tatort» zweimal schauen, doch dazu fehlt die Lust, so düster ist dieses Gefängnisstück geraten, das gleich zu Beginn zeigt, warum man auf keinen Fall an Tollwut sterben möchte. Selbst die vorherige Folge, «Sturm», erscheint im Rückblick erträglicher und vor allem ästhetischer – gerade im Schrecken. Ein ästhetisches Gegengewicht aber fehlt hier komplett.

Die arg konstruierte Geschichte holt wieder einmal Hauptkommissar Fabers (Jörg Hartmann) psychopathischen Gegenspieler Markus Graf (Florian Bartholomäi) an Bord. Während Kollegin Dalay (Aylin Tezel) mit dem Weggang von Kollege Kossik kämpft und gegen einen Faber giftet, der nicht mehr so wütend ist wie auch schon. Bei allem Elend dieser Folge hätte man sich aber sehr über einen Faber in Höchstform gefreut: Die starke Wut des frühen Faber war schöner anzusehen als die tödliche Tollwut im Knast.

Susanne Holz

Hinweis

«Tatort» aus Dortmund: «Tollwut». Heute, Sonntag, 20.05 Uhr, SRF 1.

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