Todtraurige Rache

«Tatort»

15.04.2018 | 05:16

Die Mordkommission Franken feiert eine wilde Party: Hauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) weiht seine neue Wohnung in Nürnberg ein, alle Kollegen sind da, zwei davon knutschen heftig und ganz passend zu «Because the Night» von Patti Smith. Die Szene wirkt so nahbar, dass man fast auf den Gedanken kommt: Hier hat auch das Filmteam eine Party gefeiert.

Grosse Authentizität, ein punktgenauer Soundtrack, der auch noch mit Klassik, Willy DeVille oder Olafur Arnalds aufwartet, sowie die schlicht wunderbaren Darsteller Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel (als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn) machen die Stärken dieses vierten «Tatorts» aus Franken aus.

Seine Schwäche ist gleichzeitig eine Stärke: Das Stück um ein brutal ermordetes, libysches Geschwisterpaar ist subtil und in vielen dunklen Bildern gedreht. Wobei die Dunkelheit der Bilder der Düsternis des Inhalts entspricht: Es geht um Rache, und gezeigt wird, wie sowohl in rechten gesellschaftlichen Kreisen als auch im islamistischen gesellschaftlichen Umfeld Werte wie Ehre und Familie pervertiert werden, um Gewalt zu legitimieren.

Man kann bei «Ich töte niemand» nur schwer jedes Detail der Ermittlung nachvollziehen, aber immer wieder begeistert dieser «Tatort» mit seiner Feinnervigkeit: Wenn sich Kommissarin Ringelhahn den Lippenstift abwischt auf der Fahrt zu den Getöteten. Wenn sie Kollege Voss aufheitert und der sie fragt, ob er ihr einen Baum pflanzen oder sie nach Paris einladen soll. Man muss diese zwei hochsensiblen Kommissare einfach lieben. Im Interview zum Film sagt Fabian Hinrichs übrigens: «Es gibt Berufe, die zuallererst wohl nur aus einem romantisch beschworenen Innenraum heraus ausgeübt werden können. Die Schauspielerei gehört dazu.»

Susanne Holz

Hinweis

«Tatort» Franken: «Ich töte niemand». Heute, 20.05 Uhr, SRF 1.

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