Nicht weinen, gewinnen!

«Tatort»

08.04.2018 | 05:17

Ein Bub liegt tot im Heizkeller eines Sportleistungszentrums. Das Bild trifft ins Herz der Story des neuen Frankfurter Tatorts «Unter Kriegern»: Der Junge wurde verheizt. Denn Sportzentrumsleiter Joachim Voss, der einen höheren Sportfunktionärsposten anstrebt, kennt gegenüber sich und anderen keine Schonung. Er sagt Sätze wie «Kein Mensch macht heute noch irgendetwas aus Pietät» und lebt nach dem sportlichen Motto «Geh es an, sonst geht’s dich an». Voss’ Sohn Felix wirft seinem Lehrer derweil ähnlich schlagfertige Sätze an den Kopf. «Das ist pädagogisch kontra­produktiv», kontert er, um eine bessere Note auszuhandeln, während Voss’ Gattin das bisschen Restliebe an ihre Pferde weitergibt.

Es kommt selten vor, dass ein «Tatort» noch mit seiner Themenwahl überrascht. Die Regiearbeit von Hermine Huntgeburth tut es. Der Zuschauer schaut dabei zu, wie in einer halbmöblierten Villa sich eine kaputte Familie langsam selbst vernichtet – moralisch wie ganz konkret.

Was für ein grossartiger Cast hilft dabei mit! Die vielfach ausgezeichnete Lina Beckmann, spielt die grenzdebile Alibi­gattin des Sportfunktionärs, die von ihrem Mann als Fuss-, oder soll man besser sagen, Frustabtreter, benutzt wird. Dresdens alt «Tatort»-Kommissar Stefan Konarske aktiviert sein ganzes in der Auseinandersetzung mit Kommissar Faber angestautes Aggressionspotenzial für seine Rolle als Hausmeister mit Gewaltproblem. Und Jugendschauspieler Juri Winkler, bekannt aus dem Kinderfilm «Rico, Oskar und die Tieferschatten», spielt das empathielose Arschlochkind so perfekt, dass es einem kalt den Rücken runterläuft.

Julia Stephan

Hinweis

«Tatort» – «Unter Kriegern»

Heute So, SRF 1, 20.05 Uhr.

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