Mehrfachehe für Schweizer?

Unkommod

11.02.2018 | 05:17
Valentin Landmann

Wer in die Schweiz kommt und hier bleiben darf, dem soll geholfen werden, sich den hiesigen Gebräuchen und Grundwerten anzupassen, dem soll die Sprache vermittelt werden. Der soll auch in die Lage gebracht werden, unsere Arbeitsethik, für die die Schweiz berühmt ist, in sich aufzunehmen. Selbstverständlich darf jemand, den wir dauerhaft integrieren wollen, dabei auch seine angestammte Religion beibehalten. Das entspricht der Religionsfreiheit der Schweiz.Integration ist aber auch ein Anspruch an die zu integrierenden Personen. Sie setzt voraus, dass diese sich überhaupt integrieren lassen wollen und nicht ihren Grundsätzen und angestammten Auffassungen eine absolute Priorität vor schweizerischen religiösen und kulturellen Auffassungen einräumen. Es ist verfehlt, wenn wir zulassen, dass Zuwanderer sich nicht den Regeln der Gesellschaft, die sie aufnimmt, unterordnen bzw. sich in die Gesellschaft einordnen, sondern mit allen Mitteln ihre Regeln gegen die Gesellschaft durchsetzen. Offener Staat und offene Gemeinschaft bedeutet, dass wir Andersartiges akzeptieren, nicht aber, dass wir auf Integration verzichten und uns gar neuen Regeln von Einwanderern unterwerfen.

Im Herbst 2017 hatte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim folgenden Fall zu entscheiden: ein Syrer hat eine deutsche Frau geheiratet, war aber bereits rechtsgültig mit einer syrischen Frau in der Heimat verheiratet. Gestützt auf die deutsche Ehe erfolgte die Einbürgerung. Der Gerichtshof befand, es sei kein Grund, dem Syrer die deutsche Staatsbürgerschaft abzuerkennen, wenn er bei seiner Einbürgerung die syrische Ehe verschwiegen habe. Und nun kommt der Hammer: das Prinzip der Einehe sei nicht zwingend «ein Bestandteil der freiheitlich-demokratischen Grundordnung». Die neue Ehe sei in Ordnung. Der Mann führte vor Gericht aus, «sein muslimischer Glaube lasse eine Mehrehe für Männer zu, umgekehrt könne er sich natürlich nicht vorstellen, einer von mehreren Ehemännern zu sein». Damit ist ein Schritt zur juristischen Anerkennung der Mehrehe in Europa getan. Als der Bundesjustizminister ankündigte, man wolle muslimischen Mehrfachehen bei Personen, die in Deutschland leben, die Anerkennung entziehen, folgten in den Medien massive Vorwürfe, das sei ein Einknicken vor der AfD.

Geht die Entwicklung weiter, so tun sich auch für den Schweizer ganz neue Horizonte auf: Haben Sie Ärger mit ihrer Ehefrau, ist Ihnen ein Scheidungsverfahren wegen der daraus entstehenden Ansprüche der Frau nach schweizerischem Recht zu teuer, so machen Sie es doch anders: Treten Sie – und wenn auch nur für kurze Zeit – zum Islam über, heiraten Sie eine zweite Frau, egal welcher Herkunft, in einem arabischen Land und kommen Sie dann zurück in die Schweiz mit der zweiten Frau, die dann einfach als ihre zweite anerkannt wird. Falsch verstandene Integration und Aufgabe der freiheitlichen und kulturellen Grundwerte unserer Gesellschaft kann so wenigstens für einige spezielle Fälle einen Vorteil haben. Für unseren Staat und unsere Rechtsgemeinschaft sind derartige Tendenzen verheerend.

Valentin Landmann

Leserkommentare
Weitere Artikel