Kindergarten-«Tatort»

«Tatort»

11.02.2018 | 05:17

Ich habe mich auch nach fünf Weimarer«Tatort»-Folgen noch nicht daran gewöhnt, dass die immer so lieb dreinblickende Kira Dorn (Nora Tschirner) und der neben ihr wie ein zerdrückter Kuschelbär wirkende Kriminalhauptkommissar und Ehemann Lessing (Christian Ulmen) nach Kindergärtnermethoden ermitteln. Dass die beiden mehr staunend als entschlossen durch unsere böse, böse Welt laufen, die ihre Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger liebevoll für sie vereinfachen. Denn in der Welt von Clausen/Pflüger ermittelt man nach dem Bauklotzprinzip – «Passt nicht, dann halt so!» – und hat jeder Schuft den Nachnamen, den er verdient. Auch in «Der kalte Fritte», diesmal aus der alleinigen Feder von Clausen.

Es geht um die Standortwahl eines Goethe-Geomuseums – warum Weimar so ein Museum braucht, weiss der Himmel, dass Goethe einen Gesteinsfimmel hatte, ist ja bekannt– und es geht um viel Geld, das bei einem Grundstückverkauf an die Stadt herausspringen würde. Ein schwerreicher Milliardär, der ausgerechnet «Sassen» zum Nachnamen heisst (Sasso ist italienisch und heisst «Stein»), wird von einem finnischen Auftragskiller, der während des Jobs private Telefongespräche führt, umgelegt, um dann von dessen blutjunger Ehefrau Lollo regelrecht durchsiebt zu werden. Was die Ermittlungen ins Rollen bringt.

Trotz Dorn als Undercover-Prostituierter und Bauhaus-Büsten, die zu Claire de Lune tanzenden Menschen über die Rübe gezogen werden: «Die kalte Fritte» glänzt zwar mit skurrilen Charakterüberzeichnungen, ein origineller Plot, der Kinder über sechs Jahren herausfordern könnte, fehlt.

Julia Stephan

Hinweis

«Tatort» Weimar – «Der kalte Fritte». Heute, So, SRF 1, 20.05 Uhr.

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