Ganz jung Unternehmer

Scharfgezeichnet

08.04.2018 | 05:17
Kaspar Enz

Früh übt sich, wer der nächste Elon Musk werden will. Die Ostschweizer Jungunternehmer-Plattform Startfeld lädt Jugendliche von 12 bis 19 Jahren zum CampBizSmart ein. Drei Tage lang lernen sie alles übers Unternehmerlen: «Needfinding», «Branding Solutions» und «Rapid Prototypes». Sie verstehen nur Bahnhof? Nun, hoffentlich haben wenigstens Ihre Kinder im Frühenglisch aufgepasst. Englisch ist im Camp nämlich Arbeitssprache.

Muss das sein? Das fragt sich auch die St. Galler Stadtparlamentarierin Marlene Bodenmann. Denn hier, so befürchtet sie, werden Werte des Silicon Valley vermittelt statt kritisches Denken. Letzteres wäre auch angebracht angesichts der gepriesenen Vorbilder. Tesla zum Beispiel. Die Firma hat in fünf Jahren über zwei Milliarden Verluste eingefahren. Dafür reicht Papis Portemonnaie bestimmt nicht.

Die Kleinen sollen lieber klein anfangen. Bei «Needfinding», so viel sei verraten, geht es darum, Bedürfnisse zu erkennen, die der Kunde selber noch nicht kennt. Dabei kommen mir Bedürfnisse in den Sinn, die ich ganz gut kenne. Und zwar im Haushalt. Sollte die Jungmannschaft im Lager dafür einen «Rapid Prototype» bauen, hätte es sich gelohnt. Für beide Seiten. Eine Sackgelderhöhung könnte drinliegen. Oder eine halbe Stunde länger Minecraft. Ob das reicht als Rendite­versprechen?

Kaspar Enz

kaspar.enz

@ostschweiz-am-sonntag.ch

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