STECKBRIEF

«Das Leben ist Bewegung, und Bewegung ist mein Leben»

Mini Büez

15.04.2018 | 05:16
Notiert: Sebastian Keller

Meine Mutter sagte mir immer: «Du hast kein Sitzleder!» Ich bewegte mich schon als Kind gerne, war wirblig und kreativ. In meiner Kindheit und Jugend habe ich mehrere Sportarten ausprobiert: Ballett, Turnen, Volleyball, Jazzgymnastik. Später habe ich mich zur Aerobic-Trainerin ausbilden lassen und neben meiner beruflichen Tätigkeit als Hochbauzeichnerin Kurse in einem Fitnessstudio gegeben.

Heute bin ich aufgrund meiner vielen Ausbildungen als «Trainerin für Gesundheit» tätig und führe mein eigenes Studio, die Lebensfit.ch GmbH in Frauenfeld. Primär unterrichte ich Einzelpersonen und Kleingruppen in verschiedenen Pilates- und Yogastilen. Zum Pilates kam ich wegen eines schweren Motorradunfalls vor 25 Jahren. Danach sass ich zeitweise im Rollstuhl. Von den Ärzten hörte ich nur, was ich nicht mehr machen kann. Nicht mehr Joggen, kein Aerobic, nicht mehr dies und das. Ich wollte aber wissen, was ich wieder machen kann. Jemand hat mir dann geraten, Pilates auszuprobieren. Das stärke von innen her. Pilates ist ein rumpfstärkendes Körpertraining, das die knochennahen Muskeln trainiert. Und es hat gewirkt. Mit regelmässigem Pilates konnte ich wieder joggen, konnte wieder dies und das machen.

In meiner Begeisterung für das Pilates habe ich mir ein Spezialgerät, den Pilates-Reformer, gekauft und alle erdenklichen Ausbildungen dafür besucht. Mit diesen Investitionen hätte ich mir locker ein gutes Mittelklasse-Auto leisten können. An diesem Gerät kann man rund 100 Pilates-Übungen ausführen. Heute steht der Reformer in meinem Studio und wird von mir oder meinen Kunden begeistert benutzt.

Vor drei Jahren habe ich meinen Halbtagsjob als Hochbauzeichnerin aufgegeben und voll auf die Selbstständigkeit gesetzt. Bereut habe ich diesen Schritt keinen Tag. Die Wertschätzung, die mir meine Kundinnen und Kunden entgegenbringen, ist unbezahlbar. Wenn sie nach einer Stunde zufrieden und mit einem Lächeln das Studio verlassen, weiss ich: Ich habe dazu beigetragen, ihre Lebensqualität zu verbessern.

Wenn ein neuer Kunde zu mir kommt, kläre ich ab, was er möchte, was seine Ziele sind. Ich erstelle einen «Businessplan» für seinen Körper. Ab und zu muss ich eine Kundin oder einen Kunden aber auch wieder auf den ­Boden der Realität zurückholen. Als mal jemand kam, der rund 130 Kilogramm wog und in einem Jahr 40 Kilo abnehmen wollte, sagte ich: «Das müssen wir schrittweise angehen und Etappenziele setzen.» Eine Kundin im Seniorenalter, die in zwei Wochen den Handstand lernen wollte, musste ich ebenfalls bremsen. Zuerst mussten wir ihre Muskulatur kräftigen. Heute beherrscht sie den Handstand an der Wand. Diese und viele weitere Erfolge meiner Kundinnen und Kunden motivieren mich.

Ich arbeite auch mit Demenzkranken und Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Mit ihnen übe ich Yoga, und wir trommeln mit Schlagzeugsticks auf Gymnastikbällen. Dieses Bewegungskonzept nennt sich «Drums Alive». Die Demenzkranken lernen beispielsweise Namen oder Begriffe; die Kinder können Energie ablassen, Stress abbauen und können sich danach in der Schule viel besser konzentrieren. Auch mit Burn-out-Kranken habe ich schon getrommelt. Grosse Erfolge mit dieser Methode hatte ich auch gegen Tinnitus und bei der Selbstwahrnehmung.

Das Leben ist Bewegung, und Bewegung ist mein Leben. Ohne Bewegung werden wir krank. Bewegen ist gesund. Gerne begleite ich Menschen auf ihrem Weg mit dem Tipp: «Nicht nur wollen – sondern tun!»

Notiert: Sebastian Keller

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