An einem «Appenzeller» stirbt man nicht

17.12.2017 | 05:16
Silvan Lüchinger

Dachs, Fuchs und Wildschwein dürfen im Thurgau heute schon aus dem stehenden Auto geschossen werden. Im Entwurf der Verordnung zum neuen Jagdgesetz ist vorge­sehen, dass diese Form der Schlechtwetterjagd auch für Rehe zulässig sein soll. Unklar ist noch, ob auch andere als grüne Autos verwendet werden dürfen. Und ob Jäger, die nicht Auto fahren können, eine Entschädigung erhalten.

Ist der Riethüsli-Tunnel einmal gebaut, fährt das Gaiser Bähnli nicht mehr durch den Ruckhalderank. Daran kann auch der Heimatschutz nichts ändern. Aber er verlangt: Die engste Zahnradkurve der Welt muss erhalten bleiben. Im St. Galler Rathaus hält sich die Begeisterung in Grenzen. Schliesslich will man das Land dereinst überbauen. Mit etwas Fantasie lässt sich das durchaus verbinden. Dort, wo die Zahnstangen durch Gebäude führen, werden Alterswohnungen erstellt.

Im Wettbewerb um Gäste schrecken Touristiker vor keiner Idee zurück. Darum bieten die Pizolbahnen neuerdings eine Saunagondel mit massiven Tannenbänken und Saunaofen in nordischem Design an. Wer nicht nur schwitzen mag, kann einen Getränkerucksack dazubuchen. Gefüllt mit Bier, Champagner und Eistee. Damit ist auch klar, warum als Sauna eine umgebaute Rettungsgondel verwendet wird.

Die Innerrhoder Regierung und der Innerrhoder Kantonsrat wollen ein eigenes Spital –samt stationärer Abteilung. Das letzte Wort hat die Landsgemeinde, und bis Ende April läuft noch viel Wasser die Sitter hinab. Vielleicht ist ja bald einmal die Klinik am Rosenberg in Heiden billig zu haben. Über Weihnachten jedenfalls hat sie schon geschlossen. Das wäre dann zwar ein Innerrhoder Spital in Ausserrhoden. Aber die Frauenklöster im reformierten Ausserrhoden sind ja auch Exklaven des katholischen Innerrhoden. Und dass kein Innerrhoder in einem Zimmer mit Ausserrhodern liegen muss, ist Abmachungssache.

Glaubt man dem Psychologen Guy Bodenmann, sind heute bereits 45 Prozent unserer Kinder bindungsunfähig. Wesentlich mitschuldig daran: Zu frühes Abschieben in den Tageshort. Vier besorgte Thurgauer SVP-Kantonsräte wollen jetzt von der Regierung wissen, wer am besten geeignet ist, kindliche Bindungsstörungen zu heilen, und wie es am besten gelingt, starke und bindungsfähige Kinder heranzubilden. Für die Beantwortung dieser und anderer Fragen hat die Regierung ein ganzes Jahr Zeit. Das ist grosszügig. Denn die Antwort ist kurz und einfach: die SVP.

Gemeindeversammlung in Eschlikon. Noch bevor er die Traktandenliste in Angriff nimmt, kippt Gemeindepräsident Hans Mäder vor versammelter Bürgerschaft einen Likör. Sein Dorfwichtel habe ihm das so aufgetragen, heisst es. Hans Mäder tut also nur, wie ihm befohlen – obwohl er dieses Zeugs gar nicht gern habe. Der Likör war ein «Appenzeller», und gestorben ist Mäder daran nicht. Nächstes Jahr wird er sich dazu nicht mehr zwingen müssen. Wer Alpenbitter als «Zeugs» bezeichnet, bekommt keinen mehr.

«Jongleur Gloria», eine Kuh aus Waldstatt, hat es an der Swiss Classic in der Schöneuter-Wertung auf den dritten Platz geschafft. Dass sie ob ihrer monströsen Milchdrüsen nur noch breitbeinig gehen und schon gar nicht mehr rennen kann, spielt keine Rolle. Eine Kuh muss ja auch nicht meinen, sie sei ein Ross.

Fremdenverkehr zum Zweiten: Liechtensteiner Verbrecher müssen ihre Haftstrafen in Österreich absitzen. Geht es auf die Entlassung zu, werden sie neuerdings für den offenen Strafvollzug ins Saxerriet verlegt. Auch Kriminaltourismus kann rentieren.

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